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Kjärmes [Kurzgeschichte]

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Bild von Marc Pascual auf Pixabay  Ich wohne in einer Seitenstraße, in der den größten Teil des Jahres über Schritttempo herrscht. Nicht, dass dies die Idioten auf der Suche nach einer Abkürzung davon abhalten würde, mit achtzig Sachen hier lang zu brettern und die alten Leute aus dem Altersheim, Schulkinder auf dem Nachhauseweg oder Mütter, die ihre Babys zum Arzt bringen, umzufahren. Aber darum geht es nicht einmal. Denn einmal im Jahr wird aus meiner Straße die Hauptstraße des kleinen Ortes, nämlich dann, wenn Kirmes ist. Kirchweih, Jahrmarkt, wie auch immer ihr es nennen wollt. Dann ist hier die Hölle los, verkehrstechnisch, und die einzige Zeit im Jahr, wo alle gezwungenermaßen langsam fahren. Und zu dieser Zeit spielt die Geschichte. An einem sonnigen September-Sonntag. Ich war allein zuhause und beschloss, mir auf dem Festplatz in der Ortsmitte etwas zu Essen zu holen. Currywurst oder Pilzpfanne, einen Schokoladenapfel. Dafür musste ich nicht nur meine Straße hinunter, vorbe...

Der Unterstand

 Endlich hatte sie eine Höhle gefunden, die sie vor dem herannahenden Unwetter schützen konnte. Der Eingang lag hoch über dem Boden, weit genug, um die Wogen des Hochwassers aufzuhalten. Hoch genug, um ihren Feinden den Weg zu versperren. Sie kletterte auf die seltsamen, glatten Steine im Inneren. Ein Bein nach dem anderen, rechts und links im Wechsel. Im hellen Tageslicht, das ihr durch die Öffnung folgte, erkannte sie den Abgrund und die Wand dahinter. Irgendwo dort würde sie sich einen Spalt suchen und das Wetter abwarten. Vielleicht dauerte es zwei, vielleicht auch vier Tage, dann konnte sie in die offene Welt zurück, sich einen Partner und ein Nest suchen. Der Abgrund war tiefer und die Strecke weiter, als sie vermutet hatte. Als sie die Wand erreicht hatte, war die Sonne bereits verschwunden und nur der Mond erleuchtete blass die glatten Steine im Inneren. Ab und an zuckte ein Blitz am Himmel. Ein langer, andauernder Blitz. Nicht das rasche Leuchten des Gewitter...

Scheckkartenspuckender Snackautomat

 Es war ein gewöhnlicher Donnerstagvormittag, so gegen elf Uhr, ich stand am Frankfurter Hauptbahnhof und wartete auf eine U-Bahn zum Willy-Brand-Platz. Ich war froh, in der urinverseuchten U-Bahn-Station zu sein. Draußen war es kalt und selbst auf den oberirdischen Bahnsteigen noch windig, doch hier in der Station staute sich die Luft, was eine gemütliche Wärme mit sich brachte. Mein Blick fiel auf die Anzeigetafeln für die U-Bahn-Linien. U5 in vier Minuten. Ich trottete zu den Rolltreppen, die unter der Station hindurch zu den S-Bahnen führen, um mir die polierten Kalksteine anzusehen, mit denen die Wände dort verkleidet sind. Auf einer der Platten sind eindeutig Fossilien zu sehen; mehrere, auch sehr große Gehäuse irgendwelcher Tiere, aber außer einer winzigen Schnecke kann ich keine der Formen irgendeinem Wesen zuordnen. Sie sehen aus wie riesige Pantoffeltierchen. Auf dem Weg zu den Kalksteinplatten kommt man an einem der Snackautomaten vorbei, die die Verkehrsbetriebe auf den...

Navi in Belgrad

 »Pjotr! Sie haben geantwortet! Ich kann sofort anfangen!« Marija wedelte mit dem Brief vor der Nase ihres Verlobten herum. Pjotr nahm ihr Handgelenk und drückte es sanft herunter. Er schüttelte den Kopf. »Ich bin immer noch der Meinung, dass an diesem Krankenhaus etwas nicht stimmt. Der Lohn ist zu hoch und sie bezahlen dir sogar das Hotel, damit du in der Probezeit in der Nähe wohnen kannst. Ich bitte dich.« »Du bist ein Griesgram. Freu dich lieber. Das ist die beste Stelle, die ich als Kinderärztin überhaupt bekommen kann.« »Vielleicht. Wenn du denn in dem Krankenhaus überhaupt noch Patienten haben wirst. Ist das nicht diese Säuglingsklinik mit Entbindungsstation? Wo in den letzten Wochen immer wieder Schwangere gestorben sind?« Marija seufzte, legte den Brief auf dem Tisch ab und setzte sich. Sie sah Pjotr tief in die Augen. »Ja, das ist die Klinik. Sie hatten ein paar Unglücksfälle in der letzten Zeit. Das kann in jeder Klinik passieren. Ich werde mir die Klinik jedenfalls ans...

Der Antipode

 Sie sah erst auf die große Bahnhofsuhr, dann auf ihre Armbanduhr und zuletzt auf ihr Handy. Der Bus war heute tatsächlich pünktlich gewesen und sie hatte noch Zeit, vor der Abfahrt ihres Zuges in den Bahnhofskiosk und zum Bäcker zu gehen. Die neueste Reiterzeitschrift, um unterwegs zu lesen und zwei Schokobrötchen und eine Flasche Cola, um das viel zu karge Frühstück auszugleichen. Sie konnte sich auch für die halbe Stunde vor der Abfahrt schon in den Zug setzen und ein wenig vor sich hindösen oder vielleicht sogar schlafen. Schlafen kostete weniger Geld und hatte weniger Kalorien als Zeitschriften und Schokobrötchen. Sie betrachtete den Zug, die Türen standen offen. Sie entschied sich dafür, einzusteigen und aus dem Fenster zu starren oder in ihrem Buch zu lesen, und hielt mit großen Schritten auf das Abteil zu. Die rote Lokomotive ließ zischend Luft ab, als Anette auf einer Höhe mit der Fahrertür war. Sie erschrak nicht, sie hatte immer das Glück, dass solche Dinge genau neben i...

Geisterjagd

 Wir hatten zusammen einigen grenzwertigen Blödsinn angestellt, Nina und ich, aber ich glaube, dass die Sache mit der Domäne Blumenrod das mit Abstand spektakulärste Bubenstück war. Wir waren, wie alle Teenager, auf Abenteuer aus und was lag näher, als ein verfluchtes Haus zu untersuchen? Nina hatte Geschichten über Geister in der Domäne aufgeschnappt, immer wieder erzählt und weiter ausgeschmückt. Das Gebäude war baufällig, mehrere Firmen hatten sich angeblich an der Renovierung versucht, und waren gescheitert. Angeblich weil jemand oder etwas die Bauarbeiten behinderte. Dabei war erst von Einbrechern die Rede, dann von Obdachlosen, Sekten, Geistern und schließlich Dämonen. Als die Geschichte nicht mehr zu steigern war, entschlossen wir uns, dem Ganzen selbst auf den Grund zu gehen. Wir beobachteten das Gebäude über mehrere Tage von unserer Seite des maroden Bauzauns aus, sammelten alle möglichen Gerüchte, lasen die Warnschilder und den Hinweis auf Denkmalschutz am Zaun und versuc...

Spuren im Zug

 Sie betrat wie jeden Morgen den Bahnhof. Es war kurz nach sechs Uhr und noch dunkel, obwohl man bereits eine Ahnung des nahenden Sommers haben konnte. Wie immer hatte sie den Weg vom Busbahnhof zu ihrem Zug im Laufschritt zurückgelegt. Es hatte wenig mit der Kälte oder der Dunkelheit zu tun. Auch der schlechte Ruf des Bahnhofsvorplatzes ließ sie kalt. Das Tempo ihrer Schritte war mehr eine Gewohnheit. Wie das Treppensteigen oder das Stehen an Haltestellen. Sie sagte sich immer, dass es diese Kleinigkeiten seien, die ihr erlaubten, niemals über ihre Essgewohnheiten nachdenken zu müssen und dennoch schlank zu bleiben. Der Zug war mit ihr gemeinsam eingetroffen, wie immer, wenn der Bus pünktlich an seinem Ziel angekommen war. Es war einer der großen, roten Doppelstockzüge, die die Deutsche Bahn auf ihren Nahverkehrsstrecken in der Nähe größerer Städte einsetzte. Sie wartete am ersten Wagen hinter der Lok, bis sich die Türen öffneten. Sie warf einen Blick auf die anderen Reisenden, fa...

Herbst (Flashfiction)

 Sie war mit den beiden Hunden im Wald unterwegs. Es war später Oktober, die Bäume um sie herum verloren nach und nach ihr gelbes und rotes Laub, sodass der Weg knöchelhoch bedeckt war. Die Hunde tollten ausgelassen im knisternden Laub, sie lief gedankenverloren durch den Wald. Der Weg schlängelte sich zwischen den Bäumen hindurch, ein Specht klopfte nach den letzten Insekten. Irgendwo hörte sie ein großes Tier im Dickicht, alles war friedlich.  An einer Wegkreuzung begegnete ihr ein älterer Mann. Er hatte einen großen Jagdhund bei sich. Angespannt pfiff sie nach ihren Hunden. Beide kamen ihr schwanzwedelnd entgegen, sie leinte sie an und sah auf den Mann. "Rüde?" "Kastriert", antwortete dieser lächelnd. Sie ließ ihre Hunde wieder frei laufen. Die drei Tiere beschnupperten sich gegenseitig und tollten dann gemeinsam durch das Laub. "Bin ich froh, er kann sonst nicht so toll mit Jagdhunden." Der Mann nickte nur. Sie gingen schweigend gemeinsam weiter den Wa...

Der Spielplatzmörder

 Er telefonierte hektisch mit der Polizei. Die junge Frau am anderen Ende versicherte ihm, sofort einen Streifenwagen vorbeizuschicken, er solle sich nur weiter in seiner Wohnung aufhalten. Er wartete, schließlich erschienen zwei Beamten an seiner Wohnungstür. Er öffnete ihnen, noch ehe sie klingeln konnten. Der Diensthöhere der beiden Männer stellte sich als Erwin Reuter vor und überfiel ihn noch an der Tür mit Fragen nach den toten Kindern, seinen Gewohnheiten und seinem Aufenthalt zur Tatzeit. Michael bat die Beamten herein, ehe er antwortete: »Ich bin mir nicht sicher. Da war dieser Traum, das Kind mit dem zertrümmerten Schädel und das ganze Blut in meinem Bett. Aber meine Tür war abgeschlossen, wie immer. Die Einbrüche in der Gegend, Sie verstehen?« »Und wo genau waren Sie am Nachmittag, Herr Schneider?« »Ich habe geschlafen, nehme ich an. Wissen Sie, ich schlafe, seit ich hergezogen bin, sehr schlecht. Da schläft man immer, wenn man müde ist.« »Kennen Sie den Spielplatz?« »Ic...

Der unerwartete Gast

Klara betrat das Herrenhaus. Sie hatte die hell erleuchteten Fenster von der Straße aus gesehen und hoffte, hier Hilfe zu bekommen. Ein Mann in schwarzem Smoking hieß sie mit einem breiten Lächeln willkommen. „Entschuldigen Sie, wir hatten nicht mehr mit einem Gast gerechnet. Der Ball hat bereits begonnen. Bitte, folgen Sie mir.“ Klara schüttelte den Kopf. „Ich bin kein Gast, ich brauche nur Hilfe. Ich hatte einen Unfall und möchte die Polizei anrufen.“ Der Mann im Smoking ignorierte ihre Bitte. Er führte sie über den Flur in den hell erleuchteten Ballsaal. Duzende Pärchen tanzten über den Boden, mit Schritten so leicht, dass es aussah, als schwebten sie. Hunderte Kerzen erleuchteten den Saal, ihr Licht spiegelte sich in den raumhohen Fenstern. So oder so ähnlich mussten die Bälle Marie Antoinettes auf Versailles ausgesehen haben. „Bitte“, wandte sich Klara an den Mann im Smoking: „Ich muss wirklich die Polizei anrufen.“ Der Mann deutete auf eine Bank vor einem der Fenster. „Dann warte...

Lasermeeting (Flashfiction)

 Sie waren gerade gelandet. Die junge Frau machte sich sofort auf den Weg zum Hotel, gefolgt von ihrer Kollegin. Sie hatten nur wenig Gepäck bei sich und beschlossen, den Weg zu Fuß zurückzulegen. Die Stadt war schön und sauber angelegt. Helles Pflaster, helle, moderne, freundliche Häuser, Wasserläufe, Palmen. Die Sonne schien freundlich auf dieses Kleinod des modernen Orients. Die beiden Frauen erreichten einen wunderschönen, runden, gepflasterten Platz, der zur Straße hin offen, sonst aber von hohen Gebäuden umringt war, die den Besuchern Schatten spendeten. Auf einer Bank am Rande des Platzes saßen zwei Einheimische, eine junge Frau und ihre Mutter. Die beiden Reisenden hatten den Weg zum Hotel vergessen und beschlossen, sich zu erkundigen. Die junge Frau trat auf die beiden Einheimischen zu: "Bonjour!" "Bonjour!", die ältere der Frauen schien sich über die französische Begrüßung zu freuen. "Est-ce que je peux vous aider?" "Ah", machte die jun...

Maunz (Flashficiton)

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Image by Nikolay Georgiev from Pixabay   Sie wollte nur schnell zur Toilette, ehe die Vorlesung begann. Als sie zurückkehrte, ereignete sich jedoch Unglaubliches. Sie ging den Gang entlang, der hinter der Garderobe zum Hörsaal führte, bog um die Ecke und sah den Professor auf den Hörsaal zugehen. Ein kleiner Mann in den Fünfzigern, schütteres, graues Haar. Gekleidet mit demselben alten Anzug, in welchem man ihn immer antraf. Sie beeilte sich, zu den Anderen zu gelangen, um einen guten Platz zu erhalten, doch als sie die Türen des Hörsaals sah, war der Professor verschwunden. Der Gruppe Studenten, die auf Zugang in den Hörsaal warteten, schien dies nicht aufgefallen zu sein. Vier Männer näherten sich, alle bewaffnet mit futuristischen Pistolen. Sie war noch zu weit weg, um zu verstehen, was die Männer sagten, doch sie sah an den Gesichtern der Studenten, dass sie nicht freundlich gesonnen waren. Ihre Freundin winkte ihr zu und versuchte, sie wild gestikulierend dazu zu bringen, sic...

Velosiped

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by pixaby    Sie wusste nicht, wie lange sie schon unterwegs war. Vor einer Ewigkeit, wie ihr schien, war sie mit dem Fahrrad auf den Standstreifen der Autobahn aufgefahren und radelte nun mit voller Kraft neben den LKWs her. Niemand schien das Mädchen auf dem Rad zu bemerken. Die Autobahn führte immer geradeaus, zum Horizont und immer, wenn sie glaubte, den Horizont erreicht zu haben, wuchs ein neues Stück Asphalt in den Himmel. Um sie herum gab es nichts, es schien, als existiere keine Welt jenseits dieser Autobahn. Keine Straßenschilder, keine Notrufsäulen. Nur Asphalt, Lastwagen und ein Mädchen auf einem Fahrrad. Sie erreichte einen Abschnitt der Autobahn, der mit Kies bedeckt war. Weiße Kieselsteine auf dem Standstreifen, Schotter auf der Fahrbahn. Das Rad schlingerte, sie hatte Mühe, es unter Kontrolle zu halten. Endlich fand das Mädchen eine Abfahrt. Sie bog ab, ließ das Rad bis auf die Landstraße rollen. Hier war niemand mehr. Keine LKWs, keine Autos, keine Menschen. D...

Eidcafé

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     Es begann, in Strömen zu regnen. Die beiden Streifenpolizisten gingen eilig dicht an der Häuserfront entlang. Streife in dieser Fußgängerzone war eine Art Strafdienst, zumindest wurde er von den Polizisten als solcher empfunden. Hier war nichts los, es geschah niemals etwas. Strafdienst oder Schikane, um neue Polizisten im Revier zu ärgern. Nur, dass sich diese beiden Polizisten weder etwas hatten zu Schulden kommen lassen, noch waren sie neu im Revier. Sie waren einfach nur hier, an einem Spätsommerabend, gegen neun Uhr, in strömendem Regen. In einer langweiligen, nassen, dunklen Fußgängerzone. Allein. Es waren schon seid einiger Zeit keine Passanten mehr hier. Die Geschäfte hatten zu und das Wetter eignete sich nicht, in Straßencafés, Biergärten und dergleichen zu sitzen. Immer wieder gab es unvermittelte Schauer, der Wetterbericht hatte auch von Gewittern gesprochen. Der größere der Polizisten, ein junger Mann mit dunkelblonden Locken, blieb vor einem Schaufenster...

Der Hexenturm (Flashfiction; Fantasy; Abenteuer; Hexen)

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 Sie hatte das Gelände erreicht, auf welchem sie ihren Auftrag erledigen sollte. Es war ein alter Flugplatz, der Asphalt der Startbahn war an vielen Stellen aufgebrochen und die Natur trat wieder zutage. Ein flacher Stacheldrahtzaun schütze das Gelände vor Eindringlingen, vor allem vor Füchsen und Kaninchen. Oder er hatte es zumindest einmal getan. Mittlerweile war er alt und rostig und fiel an einigen Stellen in sich zusammen. Sie hatte auf diese Weise keine Probleme, das Gelände zu betreten und den Asphaltresten zu folgen. Am hintersten Ende des Flugplatzes befand sich der alte Tower, daneben eine kleine Halle. In diesem Gebäude sollte er leben, der alte Hexenmeister. Sie glaubte nicht an Hexerei und die Geschichten, die man sich von diesem Mann erzählte und hielt den Titel mehr für das alberne Pseudonym eines geltungssüchtigen Verbrechers. Aber gleichgültig, wer oder was er in Wirklichkeit war, sie war hier, um ihn festzunehmen. Oder zu erschießen, sollte er sich allzu sehr zur ...

Hänsel und Gretel ...

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 Sie war auf dem Nachhauseweg in den Zug eingestiegen. Es dämmerte bereits, als der Zug ab fuhr. Eine Station, zwei Stationen. Sie gähnte. Eine Stimme erklang von irgendwoher: "Wir begleiten heute ein normales Mädchen auf ihrem Weg vom Bahnhof nach Hause. Die Dokumentation soll zeigen, wie sich Menschenweibchen in der Nacht verhalten." Drei Stationen. Der Zug hielt, sie stieg aus. Vor ihr lag der alte Bahnhof, um den sich seit Jahren niemand mehr kümmerte. Das Bahnhofsgebäude zierten Graffiti jeglicher Art, zerschlagene Fensterscheiben und ein altes Wirtshausschild, welches sich nur noch halb an seiner Aufhängung halten konnte. Der Unterstand war mal wieder zerschlagen worden, der Fahrkartenautomat defekt, wie immer. Sie stellte diese Sachen beiläufig im Vorbeigehen fest. Immerhin gingen die Straßenlaternen. "Sie macht sich auf den Weg zur Straße. Diese ist etwas stärker befahren", kommentierte die Stimme. Sie störte sich nicht daran, sondern folgte ihrem täglichen ...