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Die Vorlesung

Es waren nur ihre Rückenschmerzen, die sie vor dem Wegnicken bewahrten. Mittwochnachmittage hatten grundsätzlich etwas Ermüdendes und die stotternde, wenig mitreißende Sprechweise des Professors machte es nicht besser. Vor einigen Wochen war sie voller Elan in das neue Semester gestartet und hatte beschlossen, jedes Thema mit Interesse anzugehen. Nun saß sie hier, lehnte sich abwechselnd auf dem Sitz zurück, um ihren Rücken zu beruhigen oder legte ihren Kopf auf dem Tisch ab, um vielleicht doch der Schläfrigkeit nachzugeben. Oder war sie nicht schläfrig? Ihre Augen brannten. Heuschnupfen? Nein, zu früh im Jahr. Außerdem sicher nicht im Hörsaal. Es gab hier keine Pflanzen und gegen den Gummibaum auf dem Flur war sie nicht allergisch. Nicht, dass sie wusste. Sie gähnte, richtete sich auf und zwang sich, den Ausführungen des Professors zu folgen. Mineralogie. Das Beste an diesem Fach war, dass graduierte Mineralogen Mineralen Namen geben durften, sollten sie...

Das Ende des Milenniums

Sie öffnete die Haustür und stieg die Treppe nach oben. Dort angekommen ging sie, ohne die Jacke abzulegen, ins Wohnzimmer. Sie war spät dran, der Sportlehrer hatte wie immer überzogen und eigentlich wollte sie Mathe noch vor der Sendung gemacht haben. Sie legte den Rucksack auf dem Sofa ab. Der Fernseher lief eine Kriegsreportage, vermutlich Zweiter Weltkrieg, ihr Vater saß am Computer. Sie betrachtete das Programm eine Weile, seufzte, legte auch ihre Jacke ab und ging ins Badezimmer. Erst einmal duschen, dann Mathe überfliegen. Sie sah auf die Uhr: In etwa anderthalb Stunden ging ihre Lieblingsserie los. Sie duschte sich in aller Ruhe, zog sich bequeme Kleidung an und kehrte ins Wohnzimmer zurück. Dort nahm sie ihre Tasche vom Sofa und wühlte nach den Unterlagen für ihre Hausaufgaben. Sie setzte sich mit Heft, Stift, Lehrbuch und Taschenrechner bewaffnet an den Esstisch. Mathematik war ein furchtbares Übel, aber wenn ihr Vater zu Hause war, sollte sie die Aufgaben ernst nehmen. »Soll...

Die Nebelwand

Petri lebte ein ausgesprochen wohl geordnetes Leben. Er stand jeden Morgen um die gleiche Zeit auf, kam um die gleiche Zeit ins Büro und ging um die gleiche Zeit schlafen. Auch heute war es einer der ewig gleichen Tage. Selbst das Wetter war grau und durchschnittlich, ein nebliger Tag im November. Petri verließ das Büro pünktlich zu Betriebsschluss und wartete auf den Bus, der ebenso pünktlich vorfuhr. Er gehörte zu den wenigen Menschen, die sich noch nie über die Unpünktlichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel beschwert hatten, denn die beiden Busfahrer, mit denen Petri jeden Tag zu tun hatte, teilten seinen eigenen preußischen Ordnungssinn und waren häufig etwas früher, aber niemals zu spät an ihrer Haltestelle. Petri stieg in den warmen, trockenen Innenraum des Wagens und beobachtete während der Fahrt die Nebelwand, die langsam über Frankfurt waberte. Der Bus nahm die Auffahrt zur Autobahn, um das kurze Stück über den Flughafen zu fahren. Der Nebel wurde zunehmend dichter, d...

Neujahrsgrüße

Aloha Etwas verspätet, das gebe ich zu. Ich lag leider über den Jahreswechsel mit einer fiesen Erkältung im Bett. Im Urlaub. Bei Freunden. So kann das gehen. Mein kleines Neujahrsgedicht möchte ich euch aber nicht vorentahlten, wenn es auch ein paar Tage zu spät kommt. Neujahr Heut ist erster Januar Begonnen hat das neue Jahr Gestern noch herabgezählt Die Eltern sich mit Sekt gestählt Um zwölf Uhr dann mit viel Hurra Das Feuerwerk zum neuen Jahr »Prost Neujahr« ruft den Nachbarn zu Und dann ins Bett zur süßen Ruh Heut ist erster Januar Begonnen hat das neue Jahr Heut ist der erste Januar Geboren wurd ein neues Jahr Gestern die Zeit herabgezählt Fürs neue Jahr mit Sekt gestählt Um Zwölfe raus, mit viel Hurra Zum Feuerwerk zum neuen Jahr Das neue Jahr, noch schwach und klein Soll aller Hoffnung Träger sein »Prost Neujahr« man den Nachbarn zu Und dann ins Bett, zur süßen Ruh Heut ist der erste Januar Es altert schon das neue Jahr Zum weiteren Verlauf habe ich noch keine Ideen. Ver...