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Posts mit dem Label "Kurzgeschichte" werden angezeigt.

Kjärmes [Kurzgeschichte]

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Bild von Marc Pascual auf Pixabay  Ich wohne in einer Seitenstraße, in der den größten Teil des Jahres über Schritttempo herrscht. Nicht, dass dies die Idioten auf der Suche nach einer Abkürzung davon abhalten würde, mit achtzig Sachen hier lang zu brettern und die alten Leute aus dem Altersheim, Schulkinder auf dem Nachhauseweg oder Mütter, die ihre Babys zum Arzt bringen, umzufahren. Aber darum geht es nicht einmal. Denn einmal im Jahr wird aus meiner Straße die Hauptstraße des kleinen Ortes, nämlich dann, wenn Kirmes ist. Kirchweih, Jahrmarkt, wie auch immer ihr es nennen wollt. Dann ist hier die Hölle los, verkehrstechnisch, und die einzige Zeit im Jahr, wo alle gezwungenermaßen langsam fahren. Und zu dieser Zeit spielt die Geschichte. An einem sonnigen September-Sonntag. Ich war allein zuhause und beschloss, mir auf dem Festplatz in der Ortsmitte etwas zu Essen zu holen. Currywurst oder Pilzpfanne, einen Schokoladenapfel. Dafür musste ich nicht nur meine Straße hinunter, vorbe...

Der Goldfisch

Dies ist die Geschichte einer Familie, die in einem Restaurant zu Abend aß. Das Besondere an diesem Restaurant war, dass es in der Mitte des Gastraumes einen flachen Teich mit bunten Fischen gab. “Mami! Mami! Schau dir all die Fische an!”, rief der kleine Sohn aufgeregt und deutete auf den Teich. Die Fische sahen seine Geste und schwammen neugierig näher. Einige streckten ihre Köpfe aus dem Wasser, stülpten ihr Maul nach vorne und schnappten in die Luft. Die Eltern des Jungen waren unterdessen näher gekommen und betrachteten ebenfalls die Fische. Der Vater lachte. “Die haben wohl auch Hunger, genau wie wir.” “Mami, darf ich die Fische füttern?”, bettelte der Junge. Die Mutter schüttelte den Kopf. Sie deutete auf ein kleines Schild neben dem Teich: “Dort steht, dass es verboten ist, die Fische anzufassen oder zu füttern. Und außerdem sind wir hier, um uns selbst zu füttern. Also komm!” Der Junge war enttäuscht, aber er folgte seiner Mutter zu einem Tisch, ganz nahe am Teich. Während sie...

Scheckkartenspuckender Snackautomat

 Es war ein gewöhnlicher Donnerstagvormittag, so gegen elf Uhr, ich stand am Frankfurter Hauptbahnhof und wartete auf eine U-Bahn zum Willy-Brand-Platz. Ich war froh, in der urinverseuchten U-Bahn-Station zu sein. Draußen war es kalt und selbst auf den oberirdischen Bahnsteigen noch windig, doch hier in der Station staute sich die Luft, was eine gemütliche Wärme mit sich brachte. Mein Blick fiel auf die Anzeigetafeln für die U-Bahn-Linien. U5 in vier Minuten. Ich trottete zu den Rolltreppen, die unter der Station hindurch zu den S-Bahnen führen, um mir die polierten Kalksteine anzusehen, mit denen die Wände dort verkleidet sind. Auf einer der Platten sind eindeutig Fossilien zu sehen; mehrere, auch sehr große Gehäuse irgendwelcher Tiere, aber außer einer winzigen Schnecke kann ich keine der Formen irgendeinem Wesen zuordnen. Sie sehen aus wie riesige Pantoffeltierchen. Auf dem Weg zu den Kalksteinplatten kommt man an einem der Snackautomaten vorbei, die die Verkehrsbetriebe auf den...

Navi in Belgrad

 »Pjotr! Sie haben geantwortet! Ich kann sofort anfangen!« Marija wedelte mit dem Brief vor der Nase ihres Verlobten herum. Pjotr nahm ihr Handgelenk und drückte es sanft herunter. Er schüttelte den Kopf. »Ich bin immer noch der Meinung, dass an diesem Krankenhaus etwas nicht stimmt. Der Lohn ist zu hoch und sie bezahlen dir sogar das Hotel, damit du in der Probezeit in der Nähe wohnen kannst. Ich bitte dich.« »Du bist ein Griesgram. Freu dich lieber. Das ist die beste Stelle, die ich als Kinderärztin überhaupt bekommen kann.« »Vielleicht. Wenn du denn in dem Krankenhaus überhaupt noch Patienten haben wirst. Ist das nicht diese Säuglingsklinik mit Entbindungsstation? Wo in den letzten Wochen immer wieder Schwangere gestorben sind?« Marija seufzte, legte den Brief auf dem Tisch ab und setzte sich. Sie sah Pjotr tief in die Augen. »Ja, das ist die Klinik. Sie hatten ein paar Unglücksfälle in der letzten Zeit. Das kann in jeder Klinik passieren. Ich werde mir die Klinik jedenfalls ans...

Der Antipode

 Sie sah erst auf die große Bahnhofsuhr, dann auf ihre Armbanduhr und zuletzt auf ihr Handy. Der Bus war heute tatsächlich pünktlich gewesen und sie hatte noch Zeit, vor der Abfahrt ihres Zuges in den Bahnhofskiosk und zum Bäcker zu gehen. Die neueste Reiterzeitschrift, um unterwegs zu lesen und zwei Schokobrötchen und eine Flasche Cola, um das viel zu karge Frühstück auszugleichen. Sie konnte sich auch für die halbe Stunde vor der Abfahrt schon in den Zug setzen und ein wenig vor sich hindösen oder vielleicht sogar schlafen. Schlafen kostete weniger Geld und hatte weniger Kalorien als Zeitschriften und Schokobrötchen. Sie betrachtete den Zug, die Türen standen offen. Sie entschied sich dafür, einzusteigen und aus dem Fenster zu starren oder in ihrem Buch zu lesen, und hielt mit großen Schritten auf das Abteil zu. Die rote Lokomotive ließ zischend Luft ab, als Anette auf einer Höhe mit der Fahrertür war. Sie erschrak nicht, sie hatte immer das Glück, dass solche Dinge genau neben i...

Geisterjagd

 Wir hatten zusammen einigen grenzwertigen Blödsinn angestellt, Nina und ich, aber ich glaube, dass die Sache mit der Domäne Blumenrod das mit Abstand spektakulärste Bubenstück war. Wir waren, wie alle Teenager, auf Abenteuer aus und was lag näher, als ein verfluchtes Haus zu untersuchen? Nina hatte Geschichten über Geister in der Domäne aufgeschnappt, immer wieder erzählt und weiter ausgeschmückt. Das Gebäude war baufällig, mehrere Firmen hatten sich angeblich an der Renovierung versucht, und waren gescheitert. Angeblich weil jemand oder etwas die Bauarbeiten behinderte. Dabei war erst von Einbrechern die Rede, dann von Obdachlosen, Sekten, Geistern und schließlich Dämonen. Als die Geschichte nicht mehr zu steigern war, entschlossen wir uns, dem Ganzen selbst auf den Grund zu gehen. Wir beobachteten das Gebäude über mehrere Tage von unserer Seite des maroden Bauzauns aus, sammelten alle möglichen Gerüchte, lasen die Warnschilder und den Hinweis auf Denkmalschutz am Zaun und versuc...

Der Spielplatzmörder

 Er telefonierte hektisch mit der Polizei. Die junge Frau am anderen Ende versicherte ihm, sofort einen Streifenwagen vorbeizuschicken, er solle sich nur weiter in seiner Wohnung aufhalten. Er wartete, schließlich erschienen zwei Beamten an seiner Wohnungstür. Er öffnete ihnen, noch ehe sie klingeln konnten. Der Diensthöhere der beiden Männer stellte sich als Erwin Reuter vor und überfiel ihn noch an der Tür mit Fragen nach den toten Kindern, seinen Gewohnheiten und seinem Aufenthalt zur Tatzeit. Michael bat die Beamten herein, ehe er antwortete: »Ich bin mir nicht sicher. Da war dieser Traum, das Kind mit dem zertrümmerten Schädel und das ganze Blut in meinem Bett. Aber meine Tür war abgeschlossen, wie immer. Die Einbrüche in der Gegend, Sie verstehen?« »Und wo genau waren Sie am Nachmittag, Herr Schneider?« »Ich habe geschlafen, nehme ich an. Wissen Sie, ich schlafe, seit ich hergezogen bin, sehr schlecht. Da schläft man immer, wenn man müde ist.« »Kennen Sie den Spielplatz?« »Ic...

Die Tierwanderung (Flash Fiction)

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 Endlich wieder in Afrika. Die Umstände waren zwar anders, als ich es mir erhofft hatte, aber das war gleich. Seit ich den Süden dieses riesigen Kontinents das erste Mal betreten hatte, ging mir Afrika einfach nicht mehr aus dem Kopf. African homesickness nennt sich das Phänomen. Schon erstaunlich, es muss viele Leute betreffen, wenn es sogar einen Namen hat. Hier war ich also wieder, irgendwo in der Nähe von Johannesburg, zusammen mit einer guten Freundin und meinem Mischlingshund. Es war meine Freundin, deretwegen ich hier war. Sie hatte vor einigen Jahren ihre Schauspielkarriere begonnen und vor Kurzem in einer südafrikanischen Fernsehserie eine Dauerrolle ergattert. Wie auch immer sie das geschafft hatte. Nun stand ihr jedenfalls eine Preisverleihung bevor. Wir machten uns zu Fuß von ihrem Haus aus auf zu dem Hotel, in dem die Festlichkeiten stattfinden sollten. Es war ein längerer Fußmarsch von fast zwei Stunden, aber wir hatten ja den Hund dabei. Am Ziel erwartete uns ein kli...

Zeitbeben

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 Ich saß angespannt in dem kleinen Flugzeug. Die Passagiere neben mir versperrten den Blick aus dem Fenster, obwohl die Scheiben der kleinen Privatmaschine sehr groß waren. Ich hatte Bedenken, dass ich Stonehenge bei unserem Überflug nicht sehen würde. Wir waren am Morgen mit fünf Mann von einem der Londoner Flughäfen aufgebrochen und ich hatte das Glück gehabt, den Platz in der Mitte der Maschine zu erhaschen. Seufzend klopfte ich meinem Nachbarn auf die Schulter und hob meine Kamera: „Entschuldigung?“ Image by Joe from Pixabay Der junge Mann rückte lächelnd zur Seite. Ich beugte mich über ihn. Der Pilot flog zufällig eine Kurve und schien einen Platz für die Landung zu suchen. Ich presste das Teleobjektiv gegen die Scheibe des Flugzeuges, ohne auf die blonde Frau am Fenster zu achten, und machte hastig einige Bilder des Steinkreises. Im selben Moment fragte ich mich, warum ich mich eigentlich wie ein dummer Tourist benahm. Ich rückte auf meinen Platz zurück, kurz bevor der Pilot...

Sch(l)äfer (Flashfiction, Fantasy)

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 Sie wollte in der Stadt einkaufen. Von ihrem Campus aus war es nur eine halbe Stunde in die Innenstadt, also plante sie ihren Einkaufsbummel nach ihren Vorlesungen. Wie immer, wenn sie in der Universität war, und wie immer im Winter, trug sie die schwarze Lederhose, die schwarzen Lederstiefel und die schwarze Lederjacke, die sie so liebte. Sie fühlte sich wohl in ihrer Lederkluft und sie mochte das Gefühl, auf Fremde bedrohlich zu wirken. Es wiegte sie in Sicherheit. Da es sehr kalt und windig war und sie zu Ohrenschmerzen neigte, trug sie an diesem Tag zudem eine schwarze Wollmütze. In dieser Kleidung stieg sie vor ihrem Campus in der Nähe des Sportstadions in die Straßenbahn. Sie nahm, wie so oft, eine der hinteren Türen und nahm in der Mitte des Wagens auf einem freien Sitz Platz. Es waren zehn Stationen bis zur Innenstadt. Die Straßenbahn klingelte und setzte sich schwerfällig in Bewegung. Sei beobachtete die Leute, die auf dem Bürgersteig vorbeigingen und die Autofahrer auf d...

Die Flucht (Flashfiction)

 Sie hatten sich im Kerker unter dem Palast kennengelernt. Beide waren Kleinkriminelle und warteten auf ihren Prozess. Und beide wollten nicht tatenlos bleiben. So beschlossen sie gemeinsam ihre Flucht. An einem Nachmittag stahl einer von ihnen den Wachen den Schlüssel und während der Wachablösung brachen sie gemeinsam aus. Sie folgten den endlosen, labyrinthischen Gängen bis hinaus auf den Innenhof des Schlosses. Nun lag das Hauptgebäude vor ihnen, einer der am besten bewachten Plätze der ganzen Stadt. Und ihr einziger Weg in die Freiheit. Ohne sich umzusehen, hasteten die beiden Männer über den Platz. Mit einem Mal erklangen hinter ihnen laute Stimmen und sie wussten, dass man ihre Flucht bemerkt hatte. Sie rannten schneller, erreichten das Hauptgebäude. Doch der direkte Ausgang war bereits von Wachen versperrt. Ratlos sahen die Beiden einander an, bis einer von ihnen auf die Idee kam, es über die Galerie des großen Bankettsaals zu versuchen. Diese hatte zwei Ausgänge. Einer führ...

Maunz (Flashficiton)

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Image by Nikolay Georgiev from Pixabay   Sie wollte nur schnell zur Toilette, ehe die Vorlesung begann. Als sie zurückkehrte, ereignete sich jedoch Unglaubliches. Sie ging den Gang entlang, der hinter der Garderobe zum Hörsaal führte, bog um die Ecke und sah den Professor auf den Hörsaal zugehen. Ein kleiner Mann in den Fünfzigern, schütteres, graues Haar. Gekleidet mit demselben alten Anzug, in welchem man ihn immer antraf. Sie beeilte sich, zu den Anderen zu gelangen, um einen guten Platz zu erhalten, doch als sie die Türen des Hörsaals sah, war der Professor verschwunden. Der Gruppe Studenten, die auf Zugang in den Hörsaal warteten, schien dies nicht aufgefallen zu sein. Vier Männer näherten sich, alle bewaffnet mit futuristischen Pistolen. Sie war noch zu weit weg, um zu verstehen, was die Männer sagten, doch sie sah an den Gesichtern der Studenten, dass sie nicht freundlich gesonnen waren. Ihre Freundin winkte ihr zu und versuchte, sie wild gestikulierend dazu zu bringen, sic...

Königin der Nacht (Flashfiction; Fantasy; Romantik)

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Image by David Mark from Pixabay    Sie hatte die Gruppe aus den Augen verloren und irrte nun allein in dem großen Park herum. Sie hatte es ja von Anfang an für eine miserable Idee gehalten, mit all diesen Jugendlichen in einen Freizeitpark zu fahren, als einzige Erwachsene. Aber auf anderem Wege hätte sie diesen Park vermutlich nie besuchen können und diese neue Achterbahn nicht ausprobieren können. Sie war kein Achterbahnjunkie, keiner dieser Irren, die ihr Leben damit verbrachten, zu vergleichen, wie oft sie mit welcher Bahn gefahren waren. Aber sie mochte Achterbahnen und wollte so viele davon fahren, wie nur irgend möglich. Doch nun hatte sie die Kleingruppe, mit der sie unterwegs war, aus den Augen verloren. Nachdem sie zuvor noch an dem kleinen See standen, wo man Tretboot fahren konnte und es diese neuen, modernen Attraktionen mit den Schiffen und den Wasserkanonen gab. Sie erinnerte sich noch an den schwarzen Parkmitarbeiter, mit dem sie sich kurz unterhalten hatte u...

Velosiped

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by pixaby    Sie wusste nicht, wie lange sie schon unterwegs war. Vor einer Ewigkeit, wie ihr schien, war sie mit dem Fahrrad auf den Standstreifen der Autobahn aufgefahren und radelte nun mit voller Kraft neben den LKWs her. Niemand schien das Mädchen auf dem Rad zu bemerken. Die Autobahn führte immer geradeaus, zum Horizont und immer, wenn sie glaubte, den Horizont erreicht zu haben, wuchs ein neues Stück Asphalt in den Himmel. Um sie herum gab es nichts, es schien, als existiere keine Welt jenseits dieser Autobahn. Keine Straßenschilder, keine Notrufsäulen. Nur Asphalt, Lastwagen und ein Mädchen auf einem Fahrrad. Sie erreichte einen Abschnitt der Autobahn, der mit Kies bedeckt war. Weiße Kieselsteine auf dem Standstreifen, Schotter auf der Fahrbahn. Das Rad schlingerte, sie hatte Mühe, es unter Kontrolle zu halten. Endlich fand das Mädchen eine Abfahrt. Sie bog ab, ließ das Rad bis auf die Landstraße rollen. Hier war niemand mehr. Keine LKWs, keine Autos, keine Menschen. D...