Montag, 21. März 2016

Wie ein Spiel mich zum Schreiben brachte

Aloha

Der Beitrag über Gaming hat mich zu meinem alten Lieblingsspiel »Lionheart« von Thalion zurückgebracht. Nicht nur für ein Let’s play, bei dem man mir dabei zuschauen darf, wie ich in den Geschicklichkeitssequenzen heillos versagte, sondern auch zum Spiel selbst. Mein ungebrochener Ehrgeiz, die Geschichte endlich einmal zu schaffen und vor allem, zu verstehen. Als ich das Spiel nämlich das erste Mal spielte, war ich acht oder neun und des Englischen noch nicht weit genug mächtig, um die Bildschirmtexte zu verstehen.

Jump’n’Run Action mit Story

Valdyn (Covver Art/ Dieter Rottermund)

Das hat mich als Kind schon gestört, vor allem, da in der Anleitung (die ihr hier runterladen könnt) die Vorgeschichte des Spiels auf Deutsch abgedruckt stand. Die Geschichte war so gut, dass sie mich tatsächlich dazu animiert hat, das Spiel zu spielen, obwohl ich das Genre eigentlich gehasst habe (und in der Art, wie es in dem Spiel umgesetzt ist, heute noch hasse). Aber die Figur in der Geschichte hat mich tief berührt, vielleicht tiefer als jede andere fiktive Figur vorher und nachher, inklusive Ash Lynx aus Banana Fish.

 

 

 

Der traurige Anti-Held


Die Geschichte strikt sich um den Katzenmenschen Valdyn, der aufgrund seines Charakters auch Lionheart genannt wird und den eben dieser Spitzname in Probleme bringt. Er soll nämlich das gleichnamige Juwel, das Zeichen der Königsmacht, zurückbeschaffen, welches von Norka, dem Herrscher des Nachbarreichs, gestohlen wurde. Eigentlich hat Valdyn darauf überhaupt keine Lust, dummerweise war seine Freundin aber zur Zeit des Diebstahls im Tempel und wurde von Norka kurzerhand versteinert. Valdyn bricht daher doch in das feindliche Land auf, um neben dem Juwel auch einen Gegenzauber zu finden. Bis hierhin die Geschichte im Handbuch.
Den weiteren Verlauf habe ich tatsächlich gestern erst so richtig verstanden, da mein Englisch mittlerweile doch recht brauchbar ist.

Meine allererste Fanfiction

Der erste Bossgegner

Es war jedoch nicht schlimm, dass ich damals außer »Dragon«, »Ship« und »Sword« nicht viel verstanden habe. Das Spiel hat eine wunderbare Optik und zumindest die Level, die ich gespielt habe, konnten auch in Bildern sprechen. Deswegen habe ich kurzerhand die Geschichte so nacherzählt, wie ich sie verstanden habe. Irgendwann kam dann eine Vorgeschichte hinzu, dann habe ich Valdyns Leben nach dem Abenteuer weitergesponnen und ausgefüllt. Mein Held mag zahmer gewesen sein, als das Original, aber dafür wurde er auch heldenmutiger. Mit der Zeit, jedenfalls.
Und irgendwann kam der Moment, den ich im Rückblick nicht mehr ausmachen kann. Irgendwann war Valdyn nicht mehr Valdyn, sondern Eduard, der auserwählte Knabe. Noch später, nach über 20 Jahren existiert auch Eduard nicht mehr. Aber Valdyn hat den Grundstein für meine eigene Fantasy-Welt gelegt und für meinen Helden Feig, der mir so viel geholfen hat. Allerdings haben Feig und Valdyn kaum noch etwas gemein, Äußerlichkeiten, wenn überhaupt. All die Jahre, die ich das Spiel missverstanden habe und die noch längere Zeit, die ich es nicht spielen konnte, haben viel verändert und das ist gut so.

So kann ich sagen, dass Feig mir gehört, mir allein. Auch wenn ich noch immer weiß, aus was er geboren wurde. Auch das ist gut so, denn so kann es nicht passieren, dass ich ihn zu nahe an seinem Paten lasse. Ich will Jurie Horneman nicht seinen Valdyn stehlen.


Jurie Horneman


Wo ich dabei bin: Nachdem ich das Spiel beendet hatte, fühlte ich das tiefe Bedürfnis, mich nach dem Verbleib des Entwicklerteams zu erkundigen. Ich wollte mich bei ihnen für das Spiel bedanken, speziell bei Jurie, der die Geschichte geschrieben hatte. Zu meiner großen Überraschung hat Jurie einen Twitter-Account und ich habe ihm in der Nacht um kurz vor zwei ein dickes Dankeschön geschrieben.
Es sah einfach nur gut aus

Was noch schöner war: Jurie hat sich darüber gefreut und mir geantwortet. Es war kein ausladendes Gespräch, nicht einmal ein langer Twitter-Kontakt, aber ich bin sehr glücklich darüber. Immerhin hat mich Juries Geschichte nicht nur zum Schreiben gebracht, sondern auch charakterlich geprägt, mir einige Male das Leben gerettet und Jurie auf diese Weise zu meinem ersten großen Idol gemacht.

Gut, genug über mich geredet. Das musste einfach mal raus. Ich werde jetzt auch keine abschließende Frage stellen, nur um eine Diskussion loszutreten, die nie ins Rollen kommt. Danke, dass ihr diese langen Ausführungen gelesen habt und bis zum nächsten Mal.

Jo

Freitag, 18. März 2016

Bloggeralphabet - F wie Foren


Aloha

Anne Schwarz hat auf ihrem Blog neontrauma eine schöne Aktion gestartet, und zwar das "Blogger Alphabet". Dort wird alle zwei Wochene in neuer Buchstabe mit einem dazugehörigen Thema ausgegeben und los geht die fröhliche Blogparade.
Mit den bisherigen Themen konnte ich persönlich wenig anfangen, dafür liegt mir der aktuelle Buchstabe besonders am Herzen. Vom 14.3. bis zum 27.3. dreht sich nämlich alles um Foren. Internetforen, um genau zu sein.

Wie ich zum Netz kam

Foren haben für mich eine besondere Bedeutung, den sie hängen direkt mit dem Anfang meiner Internetzeit zusammen. Neben all den lustigen Sharing-Börsen, die damals noch so etwas Ähnliches wie halblegal waren und Websites über die Themen, die mich damals am meisten interessiert haben (Pokémon, Digimon, B’tX und Saint Seiya), waren Internetforen die wichtigste Anlaufstelle für mich.
Zum einen lag es daran, dass wir sehr früh bei uns zu Hause Internet hatten und es so Dinge wie MSN und ICQ noch nicht gab, zum anderen konnte ich die Messenger auch dann nicht nutzen, als es sie gab, da wir sehr lange, eigentlich bis zum Ende der Hardwareproduktion, Amigas statt PCs hatten. Nostalgischer Moment. Danke.

Ich habe mich also verdammt viel in Foren herumgetrieben und war da, ganz im Gegensatz zu meinem realen Leben, sehr kommunikativ und wenig schüchtern. Über die Foren bin ich auch, mehr oder weniger direkt, zum Schreiben gekommen. Nicht nur, weil man einen Forenbeitrag allgemein umfangreicher gestaltet als eine Nachricht in einem Chat oder bei Facebook. Dabei sei angemerkt, dass Facebook, egal wie oft das behauptet wird, kein Forum ist, sondern eine Chatplattform mit Datenspeicher. Für ein Forum herrscht in der Reihenfolge der Beiträge einfach zuviel Chaos und es fehlt eine Suchfunktion, aber das nur nebenbei.

Rollenspiele

 

Nein, ans Schreiben kam ich über die sogenannten Rollenspielforen. Ich habe schon vorher geschrieben, vor allem Fanfictions zu Videospielen. Gut, damals hieß das noch nicht Fanfiction, das kam ja auch erst mit dem Internet auf, aber egal. Das Interesse am Schreiben und an Rollenspielen fielen aber plus-minus zusammen, was vermutlich an einer Pokémon-Fansite mit Fanfictions lag. Die Seite existiert heute nicht mehr, sie hat mich aber, wenn mich nicht alles täuscht, zu meinem ersten Forum geführt, dem DreamStar.

Damals hatte das DreamStar noch eine große, brummende Rollenspielsektion, an der ich mich beteiligt habe (heute existiert das Forum nicht mehr). In aller Regel waren es Rollenspiele zu bekannten Filmen, Serien und Manga und ich habe einfach meine Fanfiction-Charaktere genutzt. Nachdem ich mich etwas eingelebt hatte, habe ich mit »Lionheart« auch ein eigenes Rollenspiel gestartet, dass interessanterweise meine Zeit am DreamStar überlebt hat.

Weltenstadt

 

Etwas weiter ausschweifend war das Weltenstadt-Forum, auf das mich eine Freundin gebracht hat. Hier war das gesamte Forum ein durchlaufendes Rollenspiel in einer offenen Welt. Die Idee an sich fand ich immer gut, aber ich habe es nicht lange ausgehalten. Zum einen waren die Regeln relativ streng und entsprachen zu weiten Teilen nicht denen, die ich aus dem DreamStar kannte, zum anderen war mir die Community schon zu eingespielt. Ich bin lieber in den kleineren, offeneren Foren geblieben.

Das DreamStar ist mir irgendwann dann verloren gegangen. Wortwörtlich. Ich hatte die Adresse falsch notiert und früher gab es so was wie Browserverlauf speichern zwar auch, aber das war alles komplizierter als heute. Zumindest auf unseren Rechnern. Ich hatte also einen Tippfehler und statt in meinem Lieblingsforum landete ich plötzlich auf einer Pornoseite. Daraufhin habe ich mir ein neues Forum gesucht, das Comics in Leipzig. Als ich mich da aufgrund der immer abstruseren Regeln auch nicht mehr wohlgefühlt hatte, bin ich schließlich an das Masters gekommen, wo ich heute noch bin.

Fazit

 

Ich habe jetzt nur grob meine wichtigsten Stationen aufgezählt und die Foren zu anderen Themen außen vor gelassen. Ich habe im Laufe meiner Internetzeit viele Foren gesehen und mich immer gerne dort beteiligt. Die Umstellung auf soziale Medien und Blogs ist mir schwergefallen, auch, weil gerade bei Facebook und Co. viel zu viele Leute sind, die glauben, sie hätten vom Umgang mit Menschen im Internet Ahnung, die aber nicht in der Lage sind, vernünftige Diskussionen zu führen.
Ich glaube an die Foren, wenigstens als Spartenprodukt, und wäre traurig, wenn sie ausstürben (Yeah, Konjuktiv ;-) ).

Vielleicht bin ich in der Beziehung altmodisch. Fakt ist aber, dass ich über die Foren viele Leute kennengelernt und sogar einige gute Freunde gefunden habe. Sehr gute Freunde. Beste Freunde. Solche Dinge funktionieren sicher auch über Facebook, Google und Co, aber anders. Die sozialen Medien bevorzugen wie auch das reale Leben extrovertierte, laute Typen. In Foren kommen die stillen Denker eher zum Tragen. Alles hat Vor- und Nachteile.

Ich danke hiermit den Foren, die es gab und gibt dafür, dass sie mir im Leben geholfen haben, mich mit Freunden zusammengebracht haben und nicht zuletzt zwei wunderschöne Wochen in Bulgarien bescherten, ein Land, dass ich ohne eine Forenbekanntschaft nie besucht hätte.

Danke, Foren, auf dass ihr als Totgesagte auf ewig weiterleben werdet!

Mittwoch, 16. März 2016

Blogparade: Gaming - Nur was für Nerds?



Aloha

Ich werde diesen Post parallel auf beiden Blogs veröffentlichen, also hier und auf gameatorium, da ich ja nun einmal ein und dieselbe Person bin und da auch keinen Hehl draus mache. So viel nur dazu.

Die Blogparade wurde von Die Prüfkiste ins Leben gerufen und dreht sich, wie der Titel schon sagt, ums Zocken. Natürlich muss ich mich da einklinken, denn ich bin leidenschaftliche Zockerin. Vielleicht sogar etwas zu leidenschaftlich, aber das hat seine Gründe.

Von Kleinauf

 

Ich war ein schüchternes Kind, vielleicht war das der Grund, warum ich schon früh zu Computern kam. Vielleicht lag es auch daran, dass meine Eltern geschieden waren. Mein Vater besaß einen Computer, einen Amiga 500+, und meine Mutter fand Computerspiele gleichzeitig absolut dumm und überflüssig. Die Situation führte dann dazu, dass ich neben meinem Vater auch (vielleicht eher vor allem) seinen Computer glorifiziert hatte. Erschwerend kam hinzu, dass alle meine Freunde Gameboys und Nintendos hatten, nur ich nicht, weil meine Mutter das ja, wie gesagt, dumm fand.

Meine ersten Spiele waren alte Adventures von LucasArts gewesen, zusammen mit den Gianna Sisters. Ja, dieses Spiel mit dem großen Rechtsstreit mit Nintendo, wo noch immer gemunkelt wird, dass Nintendo geklaut hat, aber den Prozess gewann, weil sie mehr Geld hatten. Ich habe da keine Meinung zu, außer der, dass offensichtlich einer den anderen dreist kopiert hat. Wer wen ist mir egal, ich mag Jump’n’Runs auch nicht besonders.

Adventures, diese interaktiven Geschichten, sind dagegen bis heute mein Lieblingsgenre, weit vor anderen storylastigen Spielen. Rollenspiele, Strategiespiele und Simulationen schließen sich aber direkt an und schon als kleines Mädchen von fünf Jahren hatte ich viel Spaß an Risiko und Battle Isle.

Lionheart und das Schreiben

 

Über Videospiele bin ich auch zum Schreiben gekommen, mehr oder weniger. Meine großen Vorbilder aus dem Fernsehen waren lustigerweise schon immer Schriftstellerinnen gewesen und ich habe auch immer gerne Geschichten erzählt. Richtig los ging es mit dem Schreiben aber tatsächlich erst mit »Lionheart«, einem Jump’n’Run der Firma Thalion. Es war das letzte Spiel der Firma, die aufgrund von Raubkopien bankrott ging. Auch das gab es in den Neunzigern schon.

Dem Spiel lag jedenfalls eine Anleitung bei, in der eine kurze, etwa dreiseitige Vorgeschichte abgedruckt war, wie der Protagonist Valdyn überhaupt zu seiner Aufgabe gekommen war. Diese Geschichte und das unglaublich schwere, aber erstaunlich storylastige Spiel, haben mich dazu bewogen, die Geschichte selbst aufzuschreiben. Die Vorgeschichte habe ich noch weiter ausgebaut, den Speilverlauf und Valdyns Ängste und Gedanken beschrieben. Später wurde er zu einem wichtigen Helden, die Geschichte des ganzen Landes ging weiter. Ich habe ihm Figuren aus anderen Spielen als Freunde an die Hand gegeben.

Irgendwann hat sich Valdyn dann verselbstständigt und die Pfade seiner Herkunft verlassen, heute ist von dem Fanfictioncharakter wenig übrig, dafür hat er mich zu einer ganzen Menge neuer Figuren geführt. Viel wichtiger war aber, dass er mir gezeigt hat, dass man Geschichten schrieben kann, die länger als zweioder drei Seiten sind. Lionheart hat den Berufswunsch in mir gefestigt und nur deswegen sitze ich vermutlich hier und schreibe überhaupt irgendetwas auf.

Pokemon und das Leben

 

Ein weiteres Spiel, das den Verlauf meines Lebens ebenso beeinflusst hat wie Lionheart, war die Pokémon-Serie. Wie schon erwähnt, war und bin ich eher ein introvertierter Typ und hatte schon immer viel mit Mobbing zu kämpfen. Das steigerte sich noch, als ich von der Realschule auf das Gymnasium gewechselt bin. Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch genau eine Freundin, die aber auf der Realschule geblieben war. Die Freundschaft verlief sich dann leider auch mit der Zeit und im siebten Schuljahr stand ich alleine da. Ein junges Mädchen gegen den Rest einer sehr feindlichen Welt.

Der einzige Lichtblick war die Tatsache, dass wir mittlerweile 1999 hatten und Pokémon auf den Markt kam. Ich hatte in der Zeit im Gymnasium mehr und mehr Zeit mit meinem Gameboy verbracht und war durch eine Zeitschrift auf das Spiel aufmerksam geworden. Ich habe mich, nachdem ich das Spiel hatte, regelrecht in diese Welt geflüchtet, bis hin zum Realitätsverlust. Es kamen damals einfach so viele Dinge zusammen.

Aber Pokémon hatte etwas Gutes. Da ich zu dem Zeitpunkt noch kein N64 besaß, aber gerne die Konsolenableger spielen wollte, trieb ich mich in meiner Freizeit bei einem Kaufhaus in der Stadt herum. Dort fand ich vor dem Ausstellungsgerät tatsächlich eine neue Freundin, mit der ich viel Zeit verbrachte. Leider hat sich der Kontakt heute auch etwas verlaufen.

Daneben hat Pokémon mir direkt und indirekt noch mehr Freunde aus ganz Deutschland und sogar in Bulgarien gebracht. Ich kann also nicht unterschreiben, dass man durch Videospiele in irgendeiner Form soziopathisch oder soziophob werden würde, um Gegenteil. Gerade ich als introvertierter Mensch habe gelernt, mich dadurch zu öffnen. Auch und vielleicht vor allem, weil ich als Mädchen an einer Mädchenschule mein doch eher seltenes Hobby ständig verteidigen musste.


Mortal Kombat und die Wut

 

Das Mobbing hatte noch ein anders Problem mit sich gebracht, bei dessen Bewältigung mir Videospiele geholfen haben: Wut und Aggression.

Vornehmlich war ich gegen mich selbst aggressiv, aber zumindest mit Worten und meinem Verhalten konnte ich auch verletzend auf andere Menschen reagieren. Außerdem hatte ich lange einen tiefen mörderischen Drang in mir, vor allem gegen die Leute, die mich gemobbt haben. Ich glaube, das ist normal, aber sicherlich muss man lernen, diesen Drang zu beherrschen. Auch dabei haben mir Videospiele geholfen, und zwar ausgerechnet solche, denen man gerne nachsagt, dass sie Teenager zu Gewalttätern machen.

Ich bin bekennender Mortal Kombat Fan und vergleichsweise gut in diesem Spiel. Als Frau. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen sehe ich die Sache mit den »gewaltverherrlichenden Spielen« auch sehr differenziert. Ich hatte ein hohes Aggressionspotenzial, dass ich mit brutalen Spielen, die eine hohe Reaktionsfähigkeit und Auffassungsgabe erfordern, gut in den Griff bekommen habe. Wenn ich heute so wütend bin, dass Laufen nicht hilft, schalte ich ein Prügelspiel an.

Allerdings kann ich mir vorstellen, dass die gleiche Situation bei einem anders gepolten Menschen dazu führt, dass er irgendwann aus dem Spiel nicht mehr herauskommt und es mit in die Realität nimmt. Dafür kann aber das Spiel nichts, die Situation, die das Verhalten soweit hat eskalieren lassen, liegt immer früher im Leben als das exzessive Zocken. Solange die Leute sich selbst mit ihrer Realitätsflucht kaputt machen, kommen die Medien ja auch nicht auf die Idee, ihren Hilfsmitteln die Schuld zu geben.

»Alkohol treibt Mann in den Selbstmord« habe ich zumindest noch nie als Schlagzeile gelesen.

Fazit

 

Sorry erst mal für diesen langen Post, aber wie man sieht, ist das ein Thema, das mich sehr bewegt. Vor allem, weil Spieler immer noch falsch bewertet werden. Dabei gibt es mittlerweile kaum noch Leute, die keine Videospiele spielen. Selbst, wenn man mit Elder Scrolls, Counter Strike, Sims und Street Fighter nichts anfangen kann: Ganz viele Leute spielen Dinge wie Candy Crush auf Facebook oder ihrem Handy. Gamer sind keine schmierhaarige Minderheit in dunklen Kellerräumen mehr.

Vor allem rasten wir nicht irgendwann grundlos aus, kaufen uns ein Gewehr und erschießen wahllos Leute. Oder mauern sie ein, weil wir Tetris statt Call of Duty spielen.

Videospiele können großartige Geschichten erzählen, auf eine ganz andere Weise als ein Film oder ein Roman. Sie sind ein Zwischending zwischen diesen beiden Medien. Und sie können Leben verändern, positiv wie negativ.

Vielleicht spiele ich ein bisschen mehr, als gesund für mich wäre, das mag sein. Aber die Spiele haben mir eine breite, offene Weltsicht beigebracht, sie haben mir Freunde beschert, die ich im »echten Leben« nie gefunden hätte, sie haben mir meinen Weg gezeigt und mich mehrmals von Mord und Selbstmord abgehalten.

Ganz davon abgesehen, ist Spielen ein Grundzug des Menschen. Spielen ist ein Zeichen von Lernen und je länger die Spielphasen andauern, desto intelligenter ist angeblich die spielende Spezies. Das klingt doch alles ganz brauchbar, oder nicht?
Alles Gute
Jo

Dienstag, 15. März 2016

Eine kleine Übung - Teil 2

Aloha

Im letzten Teil (hier) hatte ich euch bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das gegeben, was euch hier erwartet. Ihr kennt die Szene jetzt im Entwurf und in der ersten überarbeiteten Fassung, jetzt kommt die eigentliche Übung.
Dieselbe Szene in drei unterschiedlichen Perspektiven und einmal in Futur II (vollendete Vergangenheit). Vor allem die eher ungewöhnliche Form der direkten Ansprache war lustig zu schreiben. Interessant finde ich auch, wie mir ganz andere Details auf- und eingefallen sind. Aber weg vom Blabla, hier ist die Szene.

Der Fuchs und die Leiche - Ich-Erzähler

Ich sah auf den Toten herab. Da war sie wieder, diese beängstigende Ruhe, wie die Stille vor einem schweren Sturm. Von den Geräuschen des Hafens nahm ich nichts mehr wahr, nicht die Matrosen, nicht die Möwen, nur meinen eigenen, regelmäßigen Herzschlag. Was war hier nur passiert? Was hatten meine Jungs angerichtet? Ich hatte es ihnen eingeschärft, nicht auffällig zu werden. Es war unsere Lebensgrundlage, dass man uns in Ruhe ließ und trotzdem hatten sie sich zu einem Mord hinreißen lassen. Ich hoffte so inständig, dass sich mich täuschte und keiner von meinen Leuten damit zu tun hatte, aber ich wusste, dass die Hoffnung trügerisch war. Ich konnte jetzt nur noch dafür sorgen, dass es bei diesem einen Vorfall blieb. Keiner meiner Leute würde einen Mord begehen, nicht mehr. Nicht, wenn ich mit ihnen fertig war.
Ich seufzte und wandte mich von der Leiche ab. Meine Arme und Beine fühlten sich hohl und leicht an, die die Glieder einer Puppe. Meine Füße schlurften fast von alleine auf den hellen Umschlagplatz zwischen den Schiffen. Wenn keine Morde geschahen, war der Hafen für die Polizei uninteressant. Wir hatten unsere Gesetze und wir sorgten dafür, dass man sie einhielt. Meist geschah das unauffällig oder so sehr im Einklang mit dem Gesetz, dass sich kein Außenstehender darum kümmern musste. Meistens, nicht immer. Hin und wieder gab es Ausreißer, die das wirre Geflecht aus zerbrechlichen Regeln nicht verstanden oder verstehen wollten. Docks war einer von ihnen. Er stand unter meiner Aufsicht, also musste ich dafür sorgen, dass er lernte, den Regeln zu folgen oder ihn dazu bringen, zu gehen. Allerdings wusste ich nicht, wo er sich im Moment aufhielt. Er hatte sich vor einiger Zeit offen von mir abgewandt und hielt sich seitdem versteckt. Gut genug versteckt, dass selbst der Fuchs ihn nicht aufspüren konnte.

Der Fuchs und die Leiche - Du-Form

Du standest vor dem Toten und sahst ausdruckslos auf ihn herunter. Was auch immer hier passiert war, musste aus dem Ruder gelaufen sein. Du wusstest, was ein Toter in deinem Revier für dich bedeutete. Jeder von euch wusste das. Ihr musstet euch friedlich verhalten, wenn ihr in Zeiten wie diesen nicht auffallen wolltet. Trotzdem hatte einer deiner Leute gegen die Regeln verstoßen und einen Mann getötet. Alles, was du noch tun konntest war, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Du musstest den Mörder ausfindig machen und bestrafen. Wenn es eine Leiche gab und keinen Mörder dazu, würde die Polizei den Hafen in Ruhe lassen und ihr alle konntet euren üblichen Werken nachgehen. Für den zweiten Toten würden sie sich nicht interessieren, es war ja nur ein Straßenjunge.
Du seufztest und gingst zurück auf den Handelsplatz am Hafen. Eine Zurechtweisung des Mörders war nötig, auch, damit die anderen in deiner Bande nicht vergaßen, wer das Sagen hat. Es waren deine Jungs, deine Bande und dein Revier, nicht das dieses Taugenichts Docks. Du warst dir sicher, dass Docks mit dem Mord zu tun hatte und du würdest ihn auch noch zur Rede stellen. Wenn du ihn finden würdest. Seit eurem Streit hatte er sich nicht mehr bei dir und deinen Getreuen blicken lassen, niemand kannte sein Versteck. Selbst für dich, Adam, den Fuchs, war es fast unmöglich, Docks zu finden, wenn er nicht gefunden werden wollte. Aber du hattest einen Plan.

Der Fuchs und die Leiche - Neutraler Erzähler

Adam Miller stand vor dem Toten und sah ihn an. Er wiegte den Kopf, beugte sich einige Male zu der Leiche und zuckte wieder zurück, ehe er sie berührte. Er seufzte, wandte sich ab und ging aus der Gasse. Er sah sich um. Im Hafen wimmelte es vor Matrosen aus aller Herren Ländern, ringsherum waren Waren in Kisten und Fässern aufgetürmt und Möwen jagten durch die Luft. Es war laut und roch nach stehendem Wasser, Schweiß und totem Fisch. Adam wandte sich ab und folgte einer Straße hinunter zu den Lagerhäusern am Wasser.

Der Fuchs und die Leiche - Futur II

Adam Miller wird vor dem Toten gestanden und ihn ausdruckslos angestarrt haben. Er wird darüber nachgedacht haben, dass seine Jungs, die Mitglieder seiner Bande, einen gefährlichen Fehler begangen haben werden. Er wird beschlossen haben, die Verantwortlichen zu bestrafen. Er wird geseufzt und daran gedacht haben, wie er am besten vorgehen wird. Er wird Angst gehabt haben, dass die Polizei sich zu sehr für den Mord interessieren wird. Er wird überzeugt gewesen sein, dass Docks mit dem Mord zu tun haben wird. Er wird in den Hafen zurückgegangen sein und einen Plan gefasst haben, Docks zu finden.


Nur zur Information: Die Szene war ursprünglich in der Form eines personalen Erzählers und im Präteritum geschrieben. Die Zeit wurde nur in der letzten Variante verändert, die gleichzeitig im Stil eines allwissenden Erzählers geschrieben ist, da sich andere Stile tatsächlich nicht dafür anbieten.
Hier seid ihr gefragt: Welche Variante hat euch am Besten gefallen und warum?
Habt ihr auch schon mal ausprobiert, dieselbe Szene aus verschiedenen Erzählperspektiven zu schreiben? Hat es euch geholfen?

Ich freue mich auf eure Antworten und bis dann
Jo

Eine kleine Übung - Teil 1

Aloha

Ich hatte in letzter Zeit viel mit Überarbeiten und Plotten zu tun. Immerhin, "Zirkulum" ist jetzt an die Verlage rausgegangen und ich bin mal gespannt, ob ich eine positive Rückmeldung bekomme. Es wäre schon schön, zumal der Roman sich ein bisschen von dem SciFi abhebt, das ich kenne.

Die letzten Tage habe ich dann damit verbracht, an meinem Gangsterroman zu arbeiten. Teil 1 wird überholt, Teil 2 wird vorbereitet, damit ich Teil 1 besser überarbeiten kann. Komplizierte Sache, aber auch, wenn ich den ersten Teil so abschließen will, dass es nicht unbedingt ein Episodentitel wird, muss trotzdem später der Übergang stimmen. Eine Reihe mit umspannender Rahmenhandlung ist doch nochmal was anderes als zwei Bücher,die dieselben Protagonisten haben.

Satanskerker

Zur Entspannung zwischendurch habe ich dann mit der Überarbeitung meiner ersten Veröffentlichung angefangen und ich muss sagen: Ich verstehe die Kritik daran sehr gut. Ich möchte mich hiermit öffentlich bei den Leuten entschuldigen, deren Kritik ich nicht ernstgenommen habe. Ich war ein wenig blind. Tut mir leid. Das Buch ist mittlerweile vom Markt und wird kernsaniert, die erste Szene steht schon.
Während der Überarbeitung habe ich mir dann auch gedacht, dass ich diese erste Szene gleich als Übungsstück verwenden werde, um diverse Erzählperspektiven auszuprobieren, und meine eigene Neugier zu befriedigen. Die Ergebnisse will ich euch nicht vorenthalten. Auch, damit ihr die Entwicklung sehen könnt von der Entwurfszene zur ersten Überarbeitung.

Der Fuchs und die Leiche - Der Entwurf

Die Sache war vollkommen aus dem Ruder gelaufen. Es hatte einen Toten gegeben. Auch ohne Zeugen grenzte die Situation für den platinblonden Jungen mit den wassergrünen Augen an eine lebensbedrohliche Katastrophe. Ein Toter. Fassungslos sah er auf den leblosen Körper eines Mannes, der ihm zu Füßen lag. Was hatte er getan?
Adam war bekannt in den Häfen entlang der Themse. Jeder Hafenarbeiter, jeder Seemann und jeder Wirt hatte Kontakt mit dem Siebzehnjährigen gehabt. Er verdingte sich als Alles, womit man am Hafen Geld machen konnte. Seine Haupteinnahmequelle waren kleine Gaunereien und Botengänge. Er stellte niemals Fragen und erledigte seine Arbeit immer zufriedenstellend. Da er bekannt und beliebt war, hatte er sich bald eine Schar anderer Jungen gesucht, um Aufgaben weiterzureichen. Adam, den man seiner Gerissenheit wegen auch den Fuchs nannte, war jedoch noch aus anderen Gründen beliebt. Er machte niemals Ärger. Er begann keine Schlägereien, er stieg selten in welche ein. Und er tötete keine Menschen. Sicher, seine Gewandtheit in den wenigen Schlägereien, an denen er teilhatte, hatte das Gerücht genährt, der Junge wäre fähig, zu töten. Doch eigentlich diente das alte Messer, das er mit sich herumtrug, anderen Zwecken.
Doch in dieser Nacht war etwas schief gelaufen und es hatte einen Toten gegeben. Zwar hatte Adam den Mann nicht getötet, allerdings fühlte er sich verantwortlich. Er war sich sicher, dass einer seiner eigenen Leute der Mörder war. Sollte sich die Polizei in die Angelegenheiten seiner Bande einmischen, war dies existenzbedrohend. Solange niemand starb, ließ man den Hafen in Ruhe. Ein Umschlagplatz von Waren und Tummelplatz verschiedener Nationalitäten folgt seit jeher eigenen Gesetzen. Adam seufzte und beschloss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Die Leiche war sicherlich schon vor ihm gefunden worden. Irgendjemand hatte vermutlich auch schon die Polizei informiert. Doch wenn es keinen Mörder gab, würden ihre Ermittlungen im Sande verlaufen. Und für den Fuchs standen die möglichen Mörder bereits fest. Seit einiger Zeit herrschte Uneinigkeit zwischen ihm und einigen seiner Leute, allen voran ein gleichaltriger Junge, der am Hafen Docks gerufen wurde. Er war ehrgeizig und skrupellos. Schwieriger war es, selbst für den Fuchs, ihn ausfindig zu machen.

Der Fuchs und die Leiche - Erste Überarbeitung

Adam Miller stand vor dem Toten und starrte ihn ausruckslos an. Was auch immer hier passiert war, war aus dem Ruder gelaufen. Egal um was es ging, es hätte niemals einen Toten geben dürfen. Was hatte er nur getan? Er war doch bekannt dafür, sich friedlich zu verhalten, und mied Ärger, wo er nur konnte. Er hatte seine Leute immer angewiesen, dasselbe zu tun. Jetzt stand er vor einer Leiche, die auf seine eigenen Leute zurückführte. Er musste herausfinden, wer von seinen Leuten diese Tat begangen hatte und warum. Anschließend musste er dafür sorgen, dass ein solcher Vorfall sich niemals mehr wiederholen würde. Er seufzte. Dann wären es mindestens zwei Tote, mit dem Unterschied, dass sich die Polizei der Stadt niemals für den zweiten Toten interessieren würde. Immerhin handelte es sich bei diesem dann um einen Straßenjungen. Davon abgesehen war eine harte Zurechtweisung des Übeltäters notwendig. Vielleicht hielt es die Polizei nicht von ihren Nachforschungen ab, aber wo es keinen Mörder gab, gab es keine Festnahmen und kein unnötiges Aufsehen. Die Obrigkeit würde den Hafen wieder vergessen und sofern nicht in der näheren Zukunft wieder jemand starb, würde man den Hafen in Ruhe lassen. Immerhin folgte er seit jeher seinen eigenen Gesetzen, wie jeder Ort, an dem sich Menschen aller Nationalitäten und Gesellschaftsschichten trafen, um Waren und Dienstleistungen aus allen Sparten zu handeln.
Adam, den man seiner Gerissenheit wegen auch den Fuchs nannte, wandte sich von der Leiche ab. Er hatte einen Verdacht, mit wem der Mord zusammenhing. In seiner Bande gab es seit einiger Zeit Unstimmigkeiten. Docks, ein rücksichtloser Draufgänger in Adams Alter, machte Anstalten, die Bande anführen zu wollen. Seine Alleingänge sorgten bei dem Fuchs schon seit Längerem für Unmut. Außerdem war er gut darin, sich versteckt zu halten. Adam musste sich etwas einfallen lassen, wenn er ihn zur Rede stellen wollte.



Weiter geht es in Teil 2.