Donnerstag, 8. September 2022

Die Arbeit nach dem Schreiben, über die niemand redet

 Hallo an alle Schreiberlinge da draußen!

Heute will ich über ein Thema reden, das viel zu selten besprochen wird: das Überarbeiten. Ich hoffe doch, dass die meisten von euch wissen, dass es mit dem Niederschreiben einer Idee nicht getan ist. Die allermeisten Leute wissen, dass man zumindest noch ein letztes Mal Grammatik, Zeichensetzung und Rechtschreibung überprüfen sollte. Aber das allein ist eigentlich erst der allerletzte Schritt.

Ich möchte euch anhand einer alten Geschichte, die ich zufällig zwischen meinen Projekten gefunden habe, mit auf die Reise nehmen. Lasst uns zusammen überarbeiten, aber seid gewarnt: Es ist ein langer Weg.

Zu Anfang: Struktur

Szenenübersicht für "Flucht aus dem Schloss"
Damit meine will ich nicht wieder in das andere Thema von letzter Woche zurück. Aber wenn ihr kein Planungsgenie seid, wird der allererste Schritt immer der sein, der neuen Geschichte eine Form zu geben. Seht euren ersten Entwurf als einen Teig an. Ihr habt ihn aus den Ideen zusammengeknetet, eine Weile ruhen lassen und euch dann nocheinmal in Gänze angeschaut. Als nächstes müsst ihr euch für eine Form entscheiden. Das bedeutet im Klartext, dass ihr beim ersten Lesen des fertigen Textes darauf achten solltet, ob auch alle Ereignisse in einer sinnvollen Abfolge passieren, ob wichtige Ereignisse und Inforamtionen fehlen (Plotholes) oder ob an anderer Stelle zu viel Information gegeben wird (Infodump).

Mein persönliches Problem im ersten Entwurf ist dabei, dass der Protagonist die meiste Zeit über passiv ist und sich wie ein weinerlicher Teenager in irgendeiner Ecke verstecket und mit sich und der Welt hadert. Gleichzeitig neige ich dazu, die ersten Konflikte viel zu schnell zu lösen, wodurch ganze Handlungsstränge verloren gehen - und eine Menge Spaß für mich und potentielle Leser.

Daher hilft es ganz am Anfang, sich eine Übersicht der Szenen und Ereignisse zu schaffen und diese so lange zu sortieren, bis sie einem logisch erscheinen. Virtuelle oder klassische Karteikarten sind dabei eine große Hilfe, da sie besonders flexibel sind. Anschließend kann man mögliche Lücken in der Geschichte mit weiteren Karteikarten und Szenenideen auffüllen und an den nächsten Schritt gehen. Ich persönlich nutze dafür trello.com, aber verschiedene Programme bieten ebenfalls die Möglichkeit, virtuelle Karteikarten zu nutzen. Und natürlich funktioniert die Methode auch wunderbar mit echten Karten und einer Pinwand. Mir fehlt dafür nur im Moment der Platz.

An dieser Stelle hilft es mir übrigens sehr, wenn ich ein einfaches strukturelles Konzept zu Grunde lege, sofern die Geschichte dies erlaubt. Eine einfache Abfolge von Alltag, Auslöser, Übertreten der Schwelle, Mittelpunkt, Tiefpunkt, Rückkehhr über die Schwelle, Finale und Auflösung reicht dabei schon aus. Ich suche zuerst die Szenen aus, die den jeweiligen Punkten entsprechen und stricke den Rest erneut darum herum.

Schritt Zwei: Puzzleteile ausschütten

Wo der erste Schritt einen Vergleich mit Backen zulässt, mag ich das Bild eines großen Puzzles für den zweiten. Ich öffne dafür ein neues Dokument mit einer neuen Versionsnummer (und gegebenenfalls einem neuen Arbeitstitel).

In dieses Dokument kopiere ich die bestehenden Szenen aus meinem ersten Entwurf, ohne sie schon zu verändern. Im Fall von "Flucht aus dem Schloss" habe ich auch die Szenentitel eingefügt, da diese im Originaldokument noch nicht vorhanden waren und alles in einer neuen Titelstruktur eingeordnet. Leerstellen, bei denen ich bereits weiß, dass sie eine Szene erfordern, haben einen Platzhalter bekommen.

Der Schritt erinnert mich immer daran, wenn ich als Kind mit einem neuen Puzzle begonnen habe. Zuerst schütte ich alle Teile aus, sortiere sie nach Rand- und Innenteil und den Innenteil noch einmal nach Farbe. Erst dann fange ich an, das Bild zusammenzusetzen, und zwar, indem ich zuerst den Rand schließe und mich dann um den Innenteil kümmere.

Ähnlich ist es auch hier. Ich nutze die vorhandenen Szenen, um daran die neuen anzuschließen. 

Und zuletzt: Lospuzzeln!

Nach dem etwas drögen Aufräumen kommt dann der kreative Teil. Die Lücken in der neuen Version müssen geschlossen werden. Das bedeutet, neue Szenen müssen entstehen, vielleicht müssen Figuren und Orte angepasst werden (für mich findet in dieser Phase viel Weltenbau statt), sicherlich müssen die vorhandenen Szenen etwas abgeschliffen und neu lackiert werden.

Im Fall von "Flucht aus dem Schloss" sind von den ursprünglich etwa 50000 Wörtern (ich frage mich, ob es ein NaNo-Projekt war?) noch etwa 27000, also etwas mehr als die Hälfte übriggeblieben, Während des Lesens und dann noch einmal beim Sortieren sind mir neue Ideen für die ursprünglich sehr geradlinige Handlung und die farb- und namenlose Welt gekommen. Dies hat auch dazu geführt, dass ich kurzerhand alle Figuren neu benannt habe. Gavin und Parson und John und Charly wollten nicht mehr so recht in das Konzept passen.

Das Wichtigste: Nicht entmutigen lassen!

Dieser Schritt, das inhaltliche und strukturelle Überarbeiten, kann sich sehr lange hinziehen und jeder Entwurf sollte anschließend wieder ruhen und gegengelesen werden. "Flucht aus dem Schloss" wird mich allein auf dieser Stufe vermutlich mehrere Monate beschäftigen können, zumal ich parallel in den Vorbereitungen für mein NaNo-Projekt stecke. Aber es lohnt sich, sehr viel Arbeit in diese Phase zu investieren.

Neshka hat drei verschiedene Versionen durchlaufen, bevor ich mit dem überarbeiten der einzelnen Szenen angefangen habe. Das fertige Buch hat nur noch sehr wenig mit der ersten Fassung zu tun, abgesehen von einigen groben Ideen und Bells Verzweiflung beim Kauf einer neuen Büropflanze.

Übrigens ein Wort dazu: Wenn euch beim Überarbeiten eine Szene auffällt, die ihr wirklich liebt, die aber nicht mehr in das neue Konzept passt, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ihr kopiert sie in ein "Lager"-Dokument für eine andere Geschichte oder ihr schaut, ob ihr der Szene einen Sinn innerhalb der eigentlichen Geschichte geben könnt.

Der Kauf von Bells neuer Pflanze in Neshka war mir so wichtig, dass ich sehr viel Zeit damit verbracht habe, mir zu überlegen, wie die Szene in der Geschichte bleiben kann. Letzten Endes habe ich eine Lösung gefunden, die mir gleichzeitig bei einem anderen Problem in der Handlung geholfen hat. Welche kann ich an dieser Stelle nicht verraten, nur so viel: Der Gummibaum hilft Bell dabei, den Kriminellen zu entlarven.

In diesem Sinne, frohes Schreiben (oder Überarbeiten?) und wir sehen uns mit dem nächsten Schritt!

Donnerstag, 1. September 2022

Das Für und Wider von "Beat Sheets"

 Hallo an die schreibenden Menschen da draußen!

Es ist der erste September, nur noch acht Wochen bis zum Beginn des diesjährigen NaNoWriMo und ich verzweifele an meiner eigenen Ideensammlung. Nicht, weil ich keine hätte. Nicht, weil ich zu viele hätte. Nein, schlicht, weil eine Idee dabei ist, die sich auch für das Plotten nicht in Form pressen lassen will.

Über mich - das Spektrum

Foto von: Nick Morrison

Zuerst, bevor ich mich richtig beschweren kann, ein paar Worte zu mir und meinem kreativen Prozess. Ich glaube daran, dass mir eine gewisse Grundstruktur hilft, eine Idee zu Ende zu bringen und insbesondere, sie danach auch überarbeiten zu können. Ich habe Bücher drauf los geschrieben und zu Ende gebracht, mehrmals, darunter einige erste Entwürfe mit - für mich - ansehnlichen Wortzahlen. Aber mit Ausnahme meiner ganz frühen Ideen habe ich eigentlich nie ohne wenigstens einige grobe Notizen geschrieben. Vor zwei Jahren bin ich sogar so experimentell geworden, dass ich mir eine Struktur genommen und ihr ohne klare Idee gefolgt bin - selbst das hat es zu einem 50.000-Worte-Draft geschafft.

Ich sitze also irgendwo in der Mitte zwischen Drauflosschreiber und hartgesottenem Plotter und finde das gut so. Jedes Projekt, jede Idee und jede Phase meines Prozesses braucht seine eigene Herangehensweise. Trotzdem - oder vielleicht auch gerade deswegen - bevorzuge ich es, meine Notizen und Ideen in eine Struktur zu stecken. Eine Art Rückgrat, von der aus die Geschichte Form annehmen kann, wenn man so will. Wie kleinschrittig das System ist, ist von meiner Laune und der Idee selbst abhängig.

Ich suche immer noch die perfekte Vorlage für mich, habe aber aus einigen Systemen


etwas zusammengebastelt, das für mich grundlegend funktioniert. Ein flexibles System, das mir die Szenen ausgibt, die ich auch benötige, damit Leser der Geschichte folgen können. Ich bin nämlich sehr faul und neige dazu, zu glauben, andere wüssten schon, was in meinem Kopf vorgeht. Das heißt übrigens nicht, dass ich nicht nutzlose Informationen an der falschen Stelle ausschütten kann. Um das zu managen, hilft mir Struktur.

Drei Probleme ohne Lösung

Aber genug über mich. Die meisten Strukturmodelle über das Schreiben haben drei große Nachteile. Zum einen sind sie für Drehbücher optimiert. Für Filmdrehbücher von einer Länge von 90 bis 120 Minuten, um genau zu sein. Dadurch gehen Nebenhandlungen leicht unter oder man glaubt, sie ganz herausnehmen zu müssen. Systeme wie Blake Snyders "Save the Cat!" auf Bücher anzuwenden, erfordert also etwas Erfahrung und Flexibilität. Das gilt im Übrigen für alle auf "Beats" basierenden Schreibtipps.

Das zweite große Problem ist eng damit verwandt: die Drei-Akte-Struktur. Und dabei ist es gleichgültig, ob sie drei, vier, fünf oder sieben Akte enthält. Diese Struktur geht auf das Theater zurück, den Vorläufer des Films. Auch hier ist die Handlung realtiv geradlinig, der Zuschauer kann nicht mal eben zurückblättern und etwas nachlesen. Film, Theater, Lied und selbst Videospiele sind quasi moderne orale Erzählformen, die den Zuschauer/ Zuhörer/ Spieler vom Vortragenden abhängig machen. Bücher bieten dagegen etwas mehr Freiheit für das eigene Tempo. Das ist gut, macht Strukturen von anderen Medien aber nur bedingt anwendbar.

Das dritte große Problem liegt in einer gewissen Ringförmigkeit, die den meisten Strukturen zueigen ist, vermutlich weil sie sich auf Campbells Monomythos (die "Heldenreise") beziehen, die ihren Ursprung widerrum in (vornehmlich klassisch-westlichen und vorderasiatischen), oral tradierten Mythen hat. Die Sturktur ist so unspezifisch, dass sie eigentlich keine Hilfe darstellt und gleichzeitig so spezifisch, dass selbst Grimms Märchen nicht ohne weiteres mit ihr vereinbar sind. Kernpunkt ist hierbei aber die Rückkehr des veränderten (!) Helden in die unveränderte (!) Herkunftswelt, was sich bei Snyder z.B. in der Spiegelung von Opening und Final Image wiederfindet.

Und was genau ist das Problem?

Grundsätzlich komme ich mit den Strukturen bzw. meinem eigenen Frankenstein-Monster sehr gut zurecht. Jede Geschichte hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende, nicht wahr? Meistens kehrt der Held in irgendeiner Form am Ende nach Hause zurück oder versagt auf dem Weg dorthin, nicht wahr?

Hier kommt Maranaga ins Spiel, dessen Überarbeitung eigentlich ganz oben auf meiner Liste steht. Maranaga passt nicht in die Strukturen. Maranaga funktioniert in sich selbst, aber die Handlung ist zu komplex, als dass ich in der Lage wäre, die "Beats" ausfindig zu machen, sie in klare Akte zu stecken und dabei eine konsistent steigende Handlung zu spinnen. Die Natur der Geschichte würde ein Aufbrechen in drei Teile erlauben, die aber ungleich groß wären und jeder einzelne Teil würde - sehr grob - seinen eigenen drei Akten folgen. Die Teile sind aber gleichzeitig nicht voneinander trennbar, dazu kommt eine recht episodische Mitte und ein eher unklares Thema. Nicht, dass ein einzelnes klares Thema für eine Fantasy-Abenteuergeschichte zwingend der Kernpunkt ist - aber für die meisten Strukturen ist es wichtig. Außerdem - SPOILERWARNUNG! - kehren am Ende der Geschichte keine veränderten Helden in eine unverändete Heimat zurück. Das ist nicht der passende, sinnvolle Ausgang der Geschichte.

Dr. Who trifft Stein's Gate trifft Herr der Ringe funktioniert nicht mit einem Beat Sheet. Jedenfalls nicht, ohne mich dabei völlig wahnsinnig zu machen.

Und die Lösung?

Ich wünschte, die hätte ich. Im Moment tendiere ich dazu, alle Struktur zu ignorieren. Solange ich die größeren Löcher in der Geschichte irgendwann gestopft bekomme, sollte das wohl kein Problem sein.

Heißt das, ich werde mich generell von Struktur abwenden?

Nein. Aber ich muss bei sehr komplexen Geschichten zunehmend vorsichtiger werden, was mir warum wann helfen kann und was nicht. Flexibilität in der Herangehensweise erscheint mir wichtiger zu sein, als der verbreitete Glaube, ein Autor wäre Plotter oder Pantser. Maranaga soll zeigen, wie sehr der Prozess auch von der Idee abhängt, mit der man gerade arbeitet.

In diesem Sinne, auf frohes Schreiben!

Freitag, 26. August 2022

Ich bin zurück - die Dritte

Hallo an all die Menschen da draußen!

Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese ziellosen "Ich bin wieder da"-Posts mehr bringen als tatsächlich ernst gemeinte Beiträge. Tatsächlich will ich den Lesern, die sich noch hierher verirren eine Sache mitteilen:

Der Blick in die Unendlichkeit; Cape of Good Hope National Park. S.Sander
 
Ich weiß nicht, was ich aus dem Blog machen will, wie oder warum. Vielleicht behalte ich ein irreguläres Schreibtagebuch und jammere mal öffentlich über all die Kleinigkeiten und Großigkeiten, die mir beim Schreiben begegnen. Vielleicht sammele ich hier Zusammenfassungen, grobe Skizzen und Ideen. Für jeden zugänglich, denn Ideen sind - egal wie panisch diese Aussage einige Kollegen machen wird - leider nicht "kopiergeschützt". Vielleicht nehme ich auch wieder Rezensionen zu (Horror-)Filmen auf dem Blog auf. Oder ich versuche ernsthaft, Schreib- und Plottingtipps zu geben, als Ausrede, über Fernsehserien zu philosophieren, die in Deutschland niemand kennt.

Ganz vielleicht; nein, sehr wahrscheinlich werde ich Blogger wieder einschlafen lassen, denn ich kenne mich. In dem Sinne

Danke für's reinschauen und auf die nächsten fünf Jahre oder so!

Prost!

Dienstag, 22. September 2020

Der große Planungswahnsinn

 Aloha!

Aufgrund der Tatsache, dass mich dieses Jahr zu sehr vielen Zwangspausen gezwungen hat (Theaterproben sind abgesagt, das Museum war zu, der Master-Studiengang ohnehin eine einzige technische Katastrophe), habe ich mich entschieden, mit Hilfe von John Trubys "The Anatomy of Story" mal meinen ganzen Haufen alter und neuer Ideen auf Vordermann zu bringen. Quasi Großputz für den diesjährigen NaNo und hoffentlich ein Weg, endlich mal wieder etwas vernünftig zu Ende zu bringen.

 Tatsächlich hat mich diese Vorarbeit sieben der letzen neun Monate gekostet. Aber dafür habe ich jetzt auch einen Überblick über genug Story Ideen um bei einem Entwurf pro Monat zwei ganze Jahre mit Entwürfen zu verbringen. Schon ein wenig wahnsinnig, oder? Ich fürchte, die Zwangspause und der Japan-Urlaub davor haben mich auf ein kreatives Hoch befördert. Aber egal. Eigentlich wollte ich von einer Idee erzählen, die schon eine Weile zurückliegt, die auch schon ein NaNo-Projekt von mir war und die ich eigentlich Ende 2019 veröffentlichen wollte. Ich bin ganz froh, dass sich dafür kein Verlag gefunden hat und ich sehe jetzt endlich auch die großen Probleme.

Warum?

Weil ich die Struktur sehe. "Baroque", so mein Arbeitstitel, war eine einzige Katastrophe. Trotz der Tatsache, dass ich ein Grundgerüst hatte, wollte sich die Geschichte kaum schreiben lassen. Pierre hat während der Sache drei Mal den Charakter gewechselt, seinen Freund Eugene habe ich unetrwegs völlig verloren und Georg, der eigentlich der Antagonist sein sollte, wurde mehr und mehr zum Helden der Gescichte. Entsprechend waren die Überarbeitungen auch eine Katastrophe und ich fürchte, am Ende ist mir die ganze Sache um die Ohren geflogen. Ich als Lektor oder Verlag wollte jedenfalls auch nicht für das Chaos verantwortlich sein.

  1. Also war Baroque; als ein eigentlich fertiges Projekt und als die erste Idee nach alphabetischer Reihenfolge; mein erstes "Opfer" des Versuchs. Ich habe schön Kapitel für Kapitel mit Trubys Werk (das sich eigentlich an Drehbuchautoren wendet) meine Idee durchgearbeitet. Und große Erkenntnisse gewonnen.
  2. Pierre und Eugene konnten die Geschichte nicht tragen, weil Georg von Anfang an der Held war. Er hatte ein Motiv, ein Ziel und ein "seelische Narbe", die nicht heilen wollte. Er ist der einzige interessante Charakter in der Erstfassung gewesen, selbst für mich. Und meine Testleser kannten ihn nicht mal, weil viele von ihnen kaum bis zur zweiten Hälfte gekommen waren, wo er auftaucht *räusper*.
  3. Die Geschichte selbst kann in großen Teilen unverändert bleiben, aber die Rollen müssen entsprechend angepasst werden. Aus meinen alten Protagonisten werden jetzt die Antagonisten, was insbesondere Eugene zu Gute kommt. Der arme Kerl war nämlich ursprünglich völlig charakterlos.
  4. Das Tempo der Geschichte war völlig schief. Es gab keine Symmetrie zwischen den Teilen und erst recht kein Zusammenspiel. Die Geschichte hat immer noch einige Stellen, die zu langsam und zu ereignislos sind, aber zumindest der Anfang und das Ende passen jetzt besser zueinander.
  5. Das Ende. Ich mochte meine Idee, dass am Ende alle sterben und die Rebellion mit ihnen. Es war ein logisches Ende. Die Rebellen waren unvorbereitet, die Regierung dagegen wusste über jede Bewegung Bescheid. Aber es war unbefriedigend, denn Georgs Weltsicht war die modernere und damit die moralisch nachvollziehbare. Die Struktur hat mir persönlich dabei geholfen, einen Kompromiss zu finden, der das Ende weniger plump erscheinen lässt, ohne es unlogisch zu machen.
  6. Und als Essenz der beiden letzten Erkenntnisse: "Baroque" in der jetzigen Form ist langweilig und ein wenig ziellos. Georgs Geschichte allein kann das Thema nicht tragen. Georg allein kann die Geschichte nicht tragen. Ursprünglich wollte ich ihm Pierre an die Seite stellen, um genau das zu umgehen, aber Pierre ist eigentlich ständig bei ihm, er erzählt keine eigene Geschichte. Jetzt bekommt das ganze einen Sub-Plot, quasi einen zweiten Rebellen, der aber die ganze Idee einer Revolution anders angeht als Georg. Ich bin guter Dinge, dass eine zweite Geschichte in der ersten helfen wird.


Fazit dieses doch recht ausgiebigen Beitrags:

Als großer Plotter oder Planer und als realtiv analytisch denkender Mensch hat mir Trubys Ansatz von allen Plot-Methoden am besten geholfen. Nicht, weil er eine starre Methode vorstellt, in die ich meine Idee einpassen kann (oder muss), sondern weil er mich gezqungen hat, über die Idee nachzudenken. Und zwar im ganz Großen und im ganz Kleinen. Für die Neufassung einer alten, bereits ausgearbeiteten Idee war das auf jeden Fall sehr hilfreich. Ich bin gespannt, wie es sich mit den anderen Ideen verhält, die weniger weit gediehen sind/ waren. Ich will nicht versprechen, dass ich eine Idee öffentlich damit ausarbeiten werde, aber vielleicht wäre das ein schönes Projekt für den Dezember. Ich werde auf jeden Fall darüber nachdenken.

Bis dahin würde es mich interessieren, wie ihr, meine geschätzen Leser, bei der Planung und Überarbeitung vorgeht? Welche Modelle, Ideen und Erkenntisse haben euch bisher geholfen?

Freitag, 5. Juli 2019

Tag 5 - Mit kleinen Schritten

Aloha

Image by Ina Hall from Pixabay
In den letzten Tagen hat mich die Theaterarbeit sehr auf Trab gehalten. Nicht, dass ich nicht zum Schreiben gekommen wäre, ganz im Gegenteil. Ich bin nach wie vor über meinem persönlichen Soll und habe heute die 8000-Wort-Marke übersprungen. Allerdings merke ich mehr und mehr, dass Oserich kein guter POV-Charakter für mich ist. Ich komme nicht in seine Ansichten und Gedanken hinein. Dafür muss ich mich immer wieder zwingen, nicht in Berchthers oder Aspilians Sicht zu fallen. Aber wie immer, ich werde mich an meiner Planung entlang kämpfen. Vielleicht fehlen mir einfach noch Details, um Oserich zu verstehen und wenn es am Ende immer noch nicht funktioniert, dann kann ich die Szenen umschreiben. Auch wenn ich mich frage, ob sie dann ihre Aufgabe noch übernehmen können.

Aber solange die Geschichte noch im Anfangsgeplänkel steckt, sollte ich mir ohnehin keine großen Gedanken machen. Nächste Woche erreiche ich den zweiten Akt, ab dann wird alles besser laufen. Ganz bestimmt, denn das tut es immer.

Für heute gibt es dann auch wieder einen letzten Satz, diesmal ist es ein Satz aus dem Munde des jungen Leupold, eines Lieblings Oserichs:

»Wir werden Euch und dem ganzen Land der Wilzen Ehre machen, mein Onkel und König!«

Dienstag, 2. Juli 2019

Tag 2 - Frei und doch nicht

Aloha

Auf zum zweiten Tag meiner persönlichen Challenge. Heute habe ich mich nebenher an die Präsentation für meine Bachelorarbeit gesetzt, damit ich wenigstens da das Skelett fertig habe. Darüber hinaus haben wir eine neue Balkontür bekommen, der Hund hat den halben Garten umgegraben und ich habe König Oserich über 1800 Wörter spendiert. Ich bin zwar absolut in der Zeit, aber leider auch sehr müde.

Angefangen mit allem habe ich etwa um neun, mittlerweile haben wir halb vier. Ich bewege mich heute also sehr in Richtung normaler Arbeitstag. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass die einzige Pause bisher die war, die Löcher wieder zuzubuddeln, die Konrad hinterlassen hat. Möglichst ehe sich jemand das Genick bricht.

Entsprechend kurz will ich gerne diesen Blogpost heute halten. Immerhin muss ich um acht auch schon wieder bei der Theaterprobe sein und ich kämpfe ungelogen seit heute Morgen um kurz vor neun mit dem Verlangen, eine ganze Packung Twix zu essen. Bis hierhin war mein Kampf erfolgreich, weil ich keine Zeit hatte, zum Supermarkt zu gehen und welches zu kaufen. Aber jetzt habe ich mir das verdient, glaube ich. Man liest sich dann morgen oder irgendwann in den nächsten Tagen.

Bis dahin gebe ich euch meine eigene NaNo-Tradition mit auf den Weg, den letzten Satz des Tages. Der wird von mir immer besonders gefeiert und da ich heute sicher bin, dass es der letzte Satz bleiben wird, darf er sogar in den Blogpost einziehen:

Doch er war erleichtert, als er ihn dem alten Mann vorstellen konnte.

Gruß
Rocket

Montag, 1. Juli 2019

Es geht los

Let's get started!


Heute ist der erste Juli und damit offiziell Start des Camp NaNo. Das heißt, Oserich und Oda durften heute schon Anfangen und liegen mit 1683 Wörtern auch schon sehr gut in der Zeit. Die ersten beiden Szenen, vor allem die erste, sind mir sogar erstaunlich leicht gefallen. Dabei hapert es normalerweise gerade am Anfang immer sehr. Offensichtlich zahlt sich noch mehr planen im Vorfeld aus, wenigstens für mich.

Image by Rasterlocke from Pixabay
Was habe ich heute für meine abenteuerliche Liebesgeschichte geschafft?
  • ein depressiver König
  • ein besorgter Berater
  • zwei weitsichtige Söhne
  • ein bedrohtes Königreich
Ich finde, dass ist ein ganz ordentlicher Start und recht viel Inhalt für die ersten fünf Seiten. Im Moment glaube ich, dass mir vor allem mein depressiver König ganz gut gelungen ist.

 Oserich hat also einen wunderbaren Start hingelegt, besser als so ziemlich jedes meiner anderen Projekte. Das ist erstmal beruhigend und sehr ermutigend für mich.

Wie sieht es bei Projekt Nummer zwei aus, das ja eigentlich Projekt Nummer eins sein sollte? Haariger. Nicht wegen des Inhaltes oder der Arbeit, das ist tatsächlich überschaubar. Ich habe mittlerweile mein Soll ausgerechnet und bin bei wirklich lächerlichen 2500 Zeichen pro Tag gelandet. Eine Seite, quasi. Gegenüber 1667 (eigentlich ja nur 1663) Wörtern (also rund vier Seiten) ist das echt wenig. Dafür ist die Recherchearbeit dazwischen wahrscheinlich aufwändiger. Ich kenne mich. Egal wie viele der Bücher ich vorher gelesen und bearbeitet habe, die Hälfte davon muss ich beim Schreiben wieder zur Hand nehmen. Und ein Buch fehlt mir noch, weil das in der Uni-Bib schon seit über einem Monat verliehen ist. Ich hoffe nur, es kommt pünktlich zurück.

Das größte Problem ist allerdings bürokratischer Natur. Ich darf mich nicht anmelden, wenn ich nicht alle anderen Module abgeschlossen habe. Das heißt, ich darf schon. Vielleicht wird die Anmeldung sogar angenommen. Aber wenn die Module noch nicht abgeschlossen sind, bis ich die Arbeit fertig habe (und eingereicht), dann habe ich ein Problem. Ich meine, ich will meine Arbeit nicht nachträglich aberkannt bekommen. Also heißt es, auf die letzte Dozentin warten. Den Kurs habe ich (rein physisch) am Freitag beendet, der Rest hängt jetzt von ihren Korrekturen und der Meldung ans Prüfungsamt ab. Dann kann ich meine Anmeldung endlich abgeben und los geht's. Ganz offiziell.

Bis dahin habe ich Zeit, das fehlende Buch zu besorgen (streng genommen die fehlenden Bücher, da sind noch mehr, die ich gerne mit einbeziehen würde) und meine Struktur zu verbessern. Wie gesagt, das Schreiben selbst sehe ich nicht als das Problem an. Wenn ich nur erstmal alles in Ordnung habe.

Ah, und weil ich in dem Post gerade so schön bei Struktur bin:
Es gibt ein wunderbares gratis Webtool, dass beim Planen und Strukturieren gute Dienste leistet. Da es selbst in der Bedienung wunderbar frei ist (eigentlich erstellt es nur dynamische Listen mit Bulletpoints) eignet es sich für so ziemlich jede Arbeit und Arbeitsweise. Wer also ein wenig internetgestützte Strukturhilfe sucht, sollte sich das Programm mal ansehen: workflowy. Und das Beste: Meldet ihr euch über den Link an, erhaltet ihr statt 100 monatlichen Bullets gleich 200. Je nachdem, wie groß eure Projekte sind (oder wie viele ihr gleichzeitig bearbeiten wollt) ist das eine wirklich hilfreiche Sache ^^

Bis zum nächsten Statusupdate

Rocket