Freitag, 5. Juli 2019

Tag 5 - Mit kleinen Schritten

Aloha

Image by Ina Hall from Pixabay
In den letzten Tagen hat mich die Theaterarbeit sehr auf Trab gehalten. Nicht, dass ich nicht zum Schreiben gekommen wäre, ganz im Gegenteil. Ich bin nach wie vor über meinem persönlichen Soll und habe heute die 8000-Wort-Marke übersprungen. Allerdings merke ich mehr und mehr, dass Oserich kein guter POV-Charakter für mich ist. Ich komme nicht in seine Ansichten und Gedanken hinein. Dafür muss ich mich immer wieder zwingen, nicht in Berchthers oder Aspilians Sicht zu fallen. Aber wie immer, ich werde mich an meiner Planung entlang kämpfen. Vielleicht fehlen mir einfach noch Details, um Oserich zu verstehen und wenn es am Ende immer noch nicht funktioniert, dann kann ich die Szenen umschreiben. Auch wenn ich mich frage, ob sie dann ihre Aufgabe noch übernehmen können.

Aber solange die Geschichte noch im Anfangsgeplänkel steckt, sollte ich mir ohnehin keine großen Gedanken machen. Nächste Woche erreiche ich den zweiten Akt, ab dann wird alles besser laufen. Ganz bestimmt, denn das tut es immer.

Für heute gibt es dann auch wieder einen letzten Satz, diesmal ist es ein Satz aus dem Munde des jungen Leupold, eines Lieblings Oserichs:

»Wir werden Euch und dem ganzen Land der Wilzen Ehre machen, mein Onkel und König!«

Dienstag, 2. Juli 2019

Tag 2 - Frei und doch nicht

Aloha

Auf zum zweiten Tag meiner persönlichen Challenge. Heute habe ich mich nebenher an die Präsentation für meine Bachelorarbeit gesetzt, damit ich wenigstens da das Skelett fertig habe. Darüber hinaus haben wir eine neue Balkontür bekommen, der Hund hat den halben Garten umgegraben und ich habe König Oserich über 1800 Wörter spendiert. Ich bin zwar absolut in der Zeit, aber leider auch sehr müde.

Angefangen mit allem habe ich etwa um neun, mittlerweile haben wir halb vier. Ich bewege mich heute also sehr in Richtung normaler Arbeitstag. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass die einzige Pause bisher die war, die Löcher wieder zuzubuddeln, die Konrad hinterlassen hat. Möglichst ehe sich jemand das Genick bricht.

Entsprechend kurz will ich gerne diesen Blogpost heute halten. Immerhin muss ich um acht auch schon wieder bei der Theaterprobe sein und ich kämpfe ungelogen seit heute Morgen um kurz vor neun mit dem Verlangen, eine ganze Packung Twix zu essen. Bis hierhin war mein Kampf erfolgreich, weil ich keine Zeit hatte, zum Supermarkt zu gehen und welches zu kaufen. Aber jetzt habe ich mir das verdient, glaube ich. Man liest sich dann morgen oder irgendwann in den nächsten Tagen.

Bis dahin gebe ich euch meine eigene NaNo-Tradition mit auf den Weg, den letzten Satz des Tages. Der wird von mir immer besonders gefeiert und da ich heute sicher bin, dass es der letzte Satz bleiben wird, darf er sogar in den Blogpost einziehen:

Doch er war erleichtert, als er ihn dem alten Mann vorstellen konnte.

Gruß
Rocket

Montag, 1. Juli 2019

Es geht los

Let's get started!


Heute ist der erste Juli und damit offiziell Start des Camp NaNo. Das heißt, Oserich und Oda durften heute schon Anfangen und liegen mit 1683 Wörtern auch schon sehr gut in der Zeit. Die ersten beiden Szenen, vor allem die erste, sind mir sogar erstaunlich leicht gefallen. Dabei hapert es normalerweise gerade am Anfang immer sehr. Offensichtlich zahlt sich noch mehr planen im Vorfeld aus, wenigstens für mich.

Image by Rasterlocke from Pixabay
Was habe ich heute für meine abenteuerliche Liebesgeschichte geschafft?
  • ein depressiver König
  • ein besorgter Berater
  • zwei weitsichtige Söhne
  • ein bedrohtes Königreich
Ich finde, dass ist ein ganz ordentlicher Start und recht viel Inhalt für die ersten fünf Seiten. Im Moment glaube ich, dass mir vor allem mein depressiver König ganz gut gelungen ist.

 Oserich hat also einen wunderbaren Start hingelegt, besser als so ziemlich jedes meiner anderen Projekte. Das ist erstmal beruhigend und sehr ermutigend für mich.

Wie sieht es bei Projekt Nummer zwei aus, das ja eigentlich Projekt Nummer eins sein sollte? Haariger. Nicht wegen des Inhaltes oder der Arbeit, das ist tatsächlich überschaubar. Ich habe mittlerweile mein Soll ausgerechnet und bin bei wirklich lächerlichen 2500 Zeichen pro Tag gelandet. Eine Seite, quasi. Gegenüber 1667 (eigentlich ja nur 1663) Wörtern (also rund vier Seiten) ist das echt wenig. Dafür ist die Recherchearbeit dazwischen wahrscheinlich aufwändiger. Ich kenne mich. Egal wie viele der Bücher ich vorher gelesen und bearbeitet habe, die Hälfte davon muss ich beim Schreiben wieder zur Hand nehmen. Und ein Buch fehlt mir noch, weil das in der Uni-Bib schon seit über einem Monat verliehen ist. Ich hoffe nur, es kommt pünktlich zurück.

Das größte Problem ist allerdings bürokratischer Natur. Ich darf mich nicht anmelden, wenn ich nicht alle anderen Module abgeschlossen habe. Das heißt, ich darf schon. Vielleicht wird die Anmeldung sogar angenommen. Aber wenn die Module noch nicht abgeschlossen sind, bis ich die Arbeit fertig habe (und eingereicht), dann habe ich ein Problem. Ich meine, ich will meine Arbeit nicht nachträglich aberkannt bekommen. Also heißt es, auf die letzte Dozentin warten. Den Kurs habe ich (rein physisch) am Freitag beendet, der Rest hängt jetzt von ihren Korrekturen und der Meldung ans Prüfungsamt ab. Dann kann ich meine Anmeldung endlich abgeben und los geht's. Ganz offiziell.

Bis dahin habe ich Zeit, das fehlende Buch zu besorgen (streng genommen die fehlenden Bücher, da sind noch mehr, die ich gerne mit einbeziehen würde) und meine Struktur zu verbessern. Wie gesagt, das Schreiben selbst sehe ich nicht als das Problem an. Wenn ich nur erstmal alles in Ordnung habe.

Ah, und weil ich in dem Post gerade so schön bei Struktur bin:
Es gibt ein wunderbares gratis Webtool, dass beim Planen und Strukturieren gute Dienste leistet. Da es selbst in der Bedienung wunderbar frei ist (eigentlich erstellt es nur dynamische Listen mit Bulletpoints) eignet es sich für so ziemlich jede Arbeit und Arbeitsweise. Wer also ein wenig internetgestützte Strukturhilfe sucht, sollte sich das Programm mal ansehen: workflowy. Und das Beste: Meldet ihr euch über den Link an, erhaltet ihr statt 100 monatlichen Bullets gleich 200. Je nachdem, wie groß eure Projekte sind (oder wie viele ihr gleichzeitig bearbeiten wollt) ist das eine wirklich hilfreiche Sache ^^

Bis zum nächsten Statusupdate

Rocket

Freitag, 21. Juni 2019

Ich bin zurück

Aloha

Nach einer Pause von einer gefühlten Ewigkeit bin ich wieder da. Die Universität, das neue Studienfach hat mich sehr eingespannt und tut es eigentlich noch immer. Trotzdem habe ich in der Zwischenzeit viel über das Schreiben gelernt und auch einige Drafts fertiggestellt. Tatsächlich insgesamt zwei, nämlich im letzten NaNo (den ich von der Uni aus auf Forschung in Kapstadt verbracht habe) und im April.

Jetzt steht der nächste NaNo an, der Juli und dieses Mal wird es für mich haarig. Ich werde versuchen, regelmäßig ein kurzes Statusupdate zu posten, denn das Projekt, an das ich mich wage, ist groß. Nein, nicht das Schreibprojekt an sich. Das Drumherum. Denn neben meinem NaNo-Projekt habe ich einen Theaterauftritt in zwei Wochen und ich will parallel meine Bachelorarbeit schreiben. Wie gesagt, ein verdammt großes Vorhaben und ich bin gespannt, wie gut ich es umsetzen kann.

Für den Fall das alles glatt läuft, ahbe ich auch schon eine Belohnung für mich selbst festgesetzt, die ich aber nicht öffentlich machen möchte. Noch nicht.

Um das Projekt zu stemmen habe ich für den Roman schon eine ganze Menge Vorarbeit geleistet und bin auch immer noch dabei. Es wird eine Neuerzählung einer alten germanischen Sage werden, die Geschichte von König Oserich und Oda. Der Gesamtplot steht bereits und auch die Szenenliste habe ich soweit fertig, für die nächsten Tage steht noch die genaue Szenenplanung an, damit ich nicht zu viel überflüsiges Geschreibsel beim ersten Durchlauf habe. Ich muss jede Minute einsparen, die ich finden kann ^^

Mein großes Ziel: Die Bachelorarbeit und die Story im ersten Entwurf feritg haben. Pro Tag sind das für den Roman die üblich 1667 Wörter, für die BA habe ich es noch nicht durchgerechnet, ist aber im Vergleich zum Roman deutlich weniger. Dfür muss natürlich noch mehr Recherche betrieben werden. Ich bin sehr gespannt, wie gut das laufen wird oder ob ich gezwungen bin, den NaNo abzubrechen.

Wir werden sehen!

Jo

Montag, 23. Januar 2017

Inhaltsbeschreibungen - früher und heute



Aloha

Ja, ich weiß, ich war lange nicht mehr aktiv. Ich hatte einige Probleme mit der Universität und war jetzt endgültig gezwungen, mir ein neues Studienfach zu suchen, wenn ich denn einen Abschluss haben will Das ist ärgerlich, so im letzten Semester des alten Studiengangs, allerdings muss ich gestehen, dass ich von der Ethnologie weitaus begeistert bin als von den Geowissenschaften. Man lernt einfach so viel, was einem auch als Autor und Mensch weiterhilft und das gleich im ersten Semster.
Und gezwungen, Sprachen zu lernen, ist man auch - Woah! Jetzt lerne ich Völkerkunde und Russisch *lach*

Inhaltsbeschreibungen heute

 

Aber zum eigentlichen Thema:
Inhaltsbeschreibungen liegen mir bis heute nicht. Ich arbeite zwar nach der Schneeflockenmethode und kann seitdem tatsächlich sehr knapp erzählen, worum es in meinen Geschichten und Romanen geht, aber eine ausführliche Inhaltsangabe ist nach wie vor nicht meins.
Aus dem Problem ergeben sich dann amazon-Beschreibungen (die alle mehrfach gegengelesen und sogar von Leuten, die das Buch bereits kannten, auf Aussagekraft geprüft worden sind!) wie diese hier:

 Es geht ein Botzemann in Ahornrod herum und wird zu einer Bedrohung für die Kinder des Dorfes. 
Und zu einer Herausforderung für das ruhige Beamtenleben Alfred Wagners. Sein Freund Eike Hauser, seines Zeichens Parapsychologe und Mythenjäger, braucht die Gabe seines Freundes, um den Geist zu fangen. Alfred begleitet Eike und dessen Dackel mehr gezwungen als freiwillig auf dem Weg in den Westerwald, um ein vergessenes Dorf vom Botzemann zu befreien.
Botzemann ist der Auftakt zu Alfreds und Eikes Suche nach den Zeugen der Neunten Dimension. (Zeugen der neunten Dimension - Botzemann; 2016)

Oder:

 Edward Bell, Sicherheitspolizist, liebt Zirkulum und sein Leben in der computergesteuerten Stadt. Aber die Maschinen, die dieses Leben ermöglichen, werden zu seiner Bedrohung, als die Systeme Zirkulums von innen heraus manipuliert werden. Nur zusammen mit Hassan Lucas, der sozialfernen Nummer zwei der Technikbehörde, verspricht die Suche nach dem Saboteur erfolgreich zu werden. Allerdings profitiert ausgerechnet die Technikbehörde von der Sabotage.

Manchmal muss man neue Wege gehen und mit denen zusammenarbeiten, die man für am wenigsten vertrauenswürdig hält, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Eine Geschichte über blindes Vertrauen in einer allsehenden Welt. (Zirkulum; 2016)

Zirkulum ist ja mein Favorit, aber Zirkulum ist bei allem mein Favorit. Vor allem beim Cover.

Inhaltsbeschreibungen früher

 

Website anno 2000
 So sehr ich mich über meine heutigen Beschreibungen aufregen kann, ich muss mit einem Blick in die Vergangenheit sagen, dass ich mich mit der Übung gebessert habe. Beim Ausmisten von altem Papierkram habe ich die Adresse einer uralten Website gefunden, die ich seinerzeit mit einer Freundin aufbauen wollte. Zum Glück ist nie etwas daraus geworden.
Witzigerweise existierte der Account (und mit ihm die unveröffentlichte Site) noch und ich konnte ein paar Dinge retten. Hässliche Designs, die eindeutig auf späte 90er/ frühe 2000er zu datieren sind und kindlich-naiven Inhalt. Darunter vor allem die Inhaltsbeschreibung einer Pokémon-Fanfiction:

Das ist eine kleine Geschichte über eine junge Rocket, Jo Akarami, und was sie als Rocket und Arenalehrling Giovannis so erlebt.
Die wichtigsten Personen sind:
Jo Akarami, 15-jährige Rocket, Arenalehrling in Vertania, 8 Pokémon
Hauptpersonen:
Akida Yoshisawa, 14-jährige Rocket, Studentin der Pokétech, Jos beste Freundin, 3 Pokémon
(To)Yoshi Taminga, 16 Jahre alt, (Adoptiv)Sohn von Bruno und Lorelei, 4 Pokémon, Jos späterer Freund, hat ein familiäres Geheimnis
(Jan-)Chu ???, 16-Jahre, Akidas Freund
Giovanni, allseits bekannter und geschätzter(?) Rocketboss, Arenaleiter Vertania City, Jos Boss und Lehrmeister, 14 Pokémon
Die Arkani-Gang: Eine Rocket-ähniche Organisation, deren Mitglieder alle mindestens 1 Arkani besitzen. Große Gefahr für Team Rocket, obgleich die Mitglieder und Gründer nicht älter als 16 sind.
Nat, Leiter der Arkani-Gang, 6 Pokémon und ein Arkani (Mörder)
Cassandra, Nats Freundin, 5 Pokémon und ein Arkani (Baby)
George, Cassandras Bruder, ein Pokémon und ein Arkani (Colonel)
Linda, Georges Freundin, 3 Pokémon und ein Arkani (Witch)
Weitere wichtige Mitglieder:
Rick, niedriges Mitglied, 2 Pokémon und ein Arkani (Turbo)
Weitere Darsteller:
Die allseits bekannten Rockets Jessie, James, Butch und Cassidy mit Pokémon
Alle Arenaleiter der alten Editionen + Falk, Bianca und Sandra
Bruno, Lorelei und Siegfried (später einer der Hauptdarsteller)

Anderes grausames Design anno 2000
Was man nicht sagen kann, ist, dass ich zu wenig über die handelnen Personen verloren habe. Dummerweise finde ich die dazugehörige Version der Geschichte nicht wieder. Ich erinnere mich aber dumpf, dass es um einen Überfall auf einen Zirkus und die erste Liebe ging, die später noch einige (vollkommen undurchsichtege ;-p) Verstrickungen mit sich gebracht hat. Der Text müsste übrigens von Ende 2000 sein.
Was ich noch habe ist eine neuere Version von Jos Geschichte, die ich vielleicht irgendwann auf Wattpad hochladen werde, mal sehen. Wenn ich dafür genauso nett angefragt werde wie für meine Lionheart Fanfiction, die ich leider noch immer nicht gefunden habe ^^



Soviel dazu und ich willkomme mich hiermit selbst zurück.
Viele Grüße
Jo

Montag, 17. Oktober 2016

Johnny

Die Straßenzeile zog sich endlos hin. Rechts Hochhäuser, links Hochhäuser und dazwischen ein Fluss aus Asphalt, über dem die Luft trotz der herbstlichen Temperaturen waberte. Eine junge Frau und ihre Mutter spazierten auf dem Bürgersteig durch die Stadt und unterhielten sich über Belanglosigkeiten. Keine der beiden schenkte der Umgebung Aufmerksamkeit und so bemerkten sie nicht, dass sich vor ihnen eine Lücke in den Wänden aus Stahlbeton auftat.

Zwischen den Giganten aus Glas und grauer Fassade brach das Sonnenlicht gleißend auf die Straße. Es überflutete einen mit Kies bestreuten Platz, kroch über Blumenbeete und durch die Lücken eines Zaunes und badete ein holsteinisches Bauernhaus in warmem Weiß.

Die beiden Frauen blieben stehen, als sie die Auffahrt zu dem Gehöft erreicht hatten, und blickten sich um. Roter Backstein, ein reetgedecktes Dach, eine bunt bemalte Eingangstür. An das eineinhabstöckige Haus fügte sich ein längliches Gebäude an, welches von einem weißen Lattenzaun umschlossen wurde. Hinter den Gebäuden erstreckten sich Wiesen bis weit in Richtung Horizont. Kühe brüllten in der Ferne, ein einsames Pferd antwortete ihnen aus dem Stall. Andere Pferden fielen von der Weide aus in das Wiehern mit ein.

Die junge Frau wandte sich an ihre Mutter. »Ob sie noch hier wohnen?«

Diese zuckte mit den Schultern und trat durch das offene Hoftor auf den Hof: »Ich weiß es nicht. Vielleicht, vielleicht sind sie aber auch längst weg. Geh nachsehen, wenn es dich interessiert.«

Die junge Frau nickte, ging an ihrer Mutter vorbei und betrat mit sicheren Schritten den Stall. Die Kinder, die über den Hof tobten, ignorierte sie genauso wie Menschen im Stall. Früher war sie häufig hier gewesen, in all ihren Schulferien und an vielen Wochenenden. Hier hatte sie Ruhe und ein zweites Zuhause gefunden. Und ihre Jugendliebe. Sie durchquerte die Stallgasse und verließ das Gebäude durch einen Ausgang, der zu den Weiden führte.

Weiße Zäune umschlossen sattgrüne Wiesen. Die Kühe standen mit den Pferden gemeinsam auf dem Gras. Schwarz-weiße Kühe, Pferde in allen Farben und Mustern, einzelne Stallarbeiter, die die Wiesen reinigten.

Sie ging auf das Tor zu einer der Weiden und er kam ihr sofort entgegen.

Er hatte sich in all den Jahren, in denen sie erwachsen wurde, nicht verändert. Er trug sein weißeres Sommerkleid, doch sein Kopf und seine Schenkel, seine Mähne und sein Schweif waren von tiefem kupferrot. Eine schnurgerade Blesse erstreckte sich von seinen Ohren zu seinen Nüstern, die Beine waren hochweiß gestiefelt. Und er erkannte sie. Er wieherte ihr entgegen wie damals und schmiegte die weiche Nase an ihre Schulter.

Strahlend liebkoste den Kopf des Tieres. Er war größer als früher, das Pony hatte sich in ein stattliches Pferd verwandelt. Immerhin würde sie so auf ihm reiten können, ohne, dass er dabei gequält aussah.

Eines der Kinder kam aus dem Stall auf sie zu. Es blieb neben ihr stehen und lächelte. »Es wurde immer viel erzählt, von dem Mädchen, das die Größe des Ponys nicht abgeschreckt hatte. Bist du das Mädchen?«

Die junge Frau nickte schweigend. Sie war zu beschäftigt, dem Pferd all die Zärtlichkeiten zurückzugeben, auf die sie beide so lange verzichten mussten. Als sie schließlich aufsah, stand die Betreiberin des Hofes vor ihr.

Sie lächelte und reichte der jungen Frau die Trense des Tieres: »Wir wussten, du würdest zurückfinden. Er gehört dir, du weißt es. Kaum jemand hat sich mit ihm beschäftigen wollen in all den Jahren. Nimm ihn, führe ihn hinaus, reitet wieder in den Wald.«

Mit Tränen in den Augen nahm die junge Frau die Trense entgegen und zog sie dem rotschimmeligen Pony über den Kopf. Anschließend eilte sie in den Stall, holte den Sattel und sattelte ihren alten Freund, um ihn dann mit sich hinaus zu nehmen.

Ihre Mutter wartete am Eingang des Hofes auf dem Bürgersteig. »Was hast du jetzt vor?«, wollte sie von ihrer Tochter wissen.

»Wir werden in den Wald gehen. Ausreiten, wie Früher.«

Die Mutter nickte und begleitete ihre Tochter weiter auf dem Weg durch die Straßen. Das kleine Paradies verblasste bald im Schatten der Stahlbetonriesen. Sie wanderten Meter um Meter, bis die Häuser schließlich kleiner wurden. Vorgärten unterbrachen die Armee der Gebäude und das Licht breitete sich wie ein Teppich über die Straße aus. Kneipen, Biergärten, Privathäuser standen in immer größerem Abstand zueinander am Bürgersteig.

Die beiden Frauen näherten sich dem Ausgang der großen Stadt und unterhielten sich wieder über Belanglosigkeiten. Doch nun begleitete sie ein altes Pony, welches bei weitem nicht mehr so hässlich erschien, wie die junge Frau es in Erinnerung hatte. Die Sonne stand treu am höchsten Punkt des Himmels und erleuchtete die Welt, als wolle sie der jungen Frau alle Zeit geben, die sie und ihr Pferd benötigten, um zum Wald zurückzukehren, der endlich am Horizont aufragte. Nur noch ein Gebäude lag vor ihnen.

Neben der Straße verliefen Schienen, sie kamen aus dem nirgendwo und führten, parallel zum Bürgersteig, in das Gebäude, eine moderne Bahnhalle, die sie noch durchqueren mussten, um zur Natur hinter der Stadt zu gelangen. Eine Art modernes Stadttor, die letzte Hürde auf dem Weg zurück.

Die junge Frau, ihre Mutter und der Ponywallach betraten das Gebäude.

Die Schienen endeten in der Mitte des gigantischen Raumes. Auf ihnen stand ein alter Triebwagen und wurde von einigen Mechanikern gewartet. Auf der anderen Seite der Halle erhob sich eine Treppe. Etliche Stufen führten im Zickzack über drei große Plattformen zum Ausgang hinauf, denn das Gebäude war in einen Hügel gebaut. Neben der Treppe befand sich ein Aufzug, der jedoch nicht lang genug war, um das Pferd mit hineinzunehmen.

Die junge Frau und ihre Mutter betrachteten den Aufzug eine Weile, sahen dann einander an und seufzten. Es hatte keinen Sinn, ihnen blieb nichts anderes übrig, als die Treppe zu erklimmen. Das Tier trottete brav neben der jungen Frau her, die erste Treppe hinauf.

Auf der Plattform befand sich ein Büro, umschlossen von gläsernen Wänden. Ein Mitarbeiter der Bahn hastete aus dem Raum auf die beiden Frauen zu. Er blieb mit ausgebreiteten Armen vor ihnen stehen. »Sie können unmöglich mit dem Pferd die Stufen hinauf!«

»Wieso nicht?« Die junge Frau runzelte die Stirn und sah über die Schulter auf die Stufen, die sie bereits zurückgelassen hatten. »Er hat doch auch die erste Treppe geschafft. Die Anderen werden ihm auch nichts ausmachen.«

»Wo wollen Sie überhaupt mit dem Tier hin?«

»In den Wald«, antwortete die Mutter: »Meine Tochter bekam ihr Pferd geschenkt, damit sie im Wald ausreiten kann.«

Der Mitarbeiter zögerte eine Weile, musterte das Pferd und gab schließlich den Weg frei: »Gut. Er scheint ja nicht zu schwer für die Treppe zu sein. Gehen Sie, bevor Sie noch jemand anderes sieht. Pferde sollten keine Treppen steigen.«

Die Frauen nickten und stiegen weiter Schritt für Schritt die Stahlstufen empor, das Pferd begleitete sie. Auf der letzten Ebene öffneten sie die doppelflügelige Glastür und traten auf die steinerne Brücke, die das Gebäude mit der Hügelspitze verband. Der Wald lag nur noch wenige Minuten von ihnen entfernt.

Die junge Frau lächelte, stieg in den Sattel und reichte ihrer Mutter zum Abschied die Hand.

Anschließend ritt sie in schnellem Trab hinaus in den Wald.

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Die Vorlesung

Es waren nur ihre Rückenschmerzen, die sie vor dem Wegnicken bewahrten. Mittwochnachmittage hatten grundsätzlich etwas Ermüdendes und die stotternde, wenig mitreißende Sprechweise des Professors machte es nicht besser. Vor einigen Wochen war sie voller Elan in das neue Semester gestartet und hatte beschlossen, jedes Thema mit Interesse anzugehen. Nun saß sie hier, lehnte sich abwechselnd auf dem Sitz zurück, um ihren Rücken zu beruhigen oder legte ihren Kopf auf dem Tisch ab, um vielleicht doch der Schläfrigkeit nachzugeben. Oder war sie nicht schläfrig? Ihre Augen brannten. Heuschnupfen? Nein, zu früh im Jahr. Außerdem sicher nicht im Hörsaal. Es gab hier keine Pflanzen und gegen den Gummibaum auf dem Flur war sie nicht allergisch. Nicht, dass sie wusste. Sie gähnte, richtete sich auf und zwang sich, den Ausführungen des Professors zu folgen.
Mineralogie. Das Beste an diesem Fach war, dass graduierte Mineralogen Mineralen Namen geben durften, sollten sie Neue entdecken. Mineralit, nein, das war ein dummer Name. Aerodactylit, ja. Sie kicherte. Allein, um Jahrgänge folgender Studenten zu ärgern. Aber brauchte man für diesen Namen die Einwilligung von Nintendo? Immerhin war der Begriff sicher geschützt. Gengarit, wenn sie schon dabei war. Absolit, der war gut. Ab sol - Fern der Sonne. Absolit - Fern der Sonne mit Mineralsuffix. Das war wirklich gut. Ein toller Name für ein Mineral im Erdinneren. Aber auch hier wieder die Sache mit dem dummen Copyright. Aber das Sonic-Hedghog-Gen und das Protein Pikachurin? Ob die Wissenschaftler da auch erst angefragt hatten? Andererseits, Pikachurin war vor der Benamung des Proteins ja kein Begriff. Vielleicht sollte sie das Pikachu-DS aus dem Rucksack holen und spielen? Oder ihr Buch fortsetzen, das war sicher besser. Aber Lesen, während der Professor redete? Noch dazu Englisch? Britisches Englisch zu allem Überfluss. Nein, dafür fehlte ihr die Konzentration.
Ihr Blick heftete sich auf das Bild, welches der Beamer an die Wand warf. Kugeln, Striche, Formeln, dichteste Packungen, hexagonal, kubisch. Das kannte sie alles aus dem letzten Semester und dem davor und dem davor und dem davor. Sie gähnte erneut. Der Professor forderte die Studenten auf, die Packungsdichte einer kubisch dichtesten Kugelpackung auszurechnen. Sie schloss die Augen, murmelte: »Zweiundfünfzig Prozent ...«
Der Professor erzählte irgendetwas von der Kristallographievorlesung im letzten Semester. Ihr Rücken zog scharf an ihren Schulterblättern. Sie richtete sich wieder auf. Sie sollte zum Stall fahren oder tanzen oder spazieren gehen, sich bewegen, nicht auf diesen Stühlen sitzen. Mehr als eine Stunde auf diesen Dingern sollten als Folter gelten. Die Zweitsemester um sie herum tippten fleißig auf ihren Taschenrechnern, aber in ihren Gesichtern konnte sie lesen, dass sie keine Ahnung hatten. Der Professor auch, er hakte nach. Keiner hatte den Mut, sein Nichtwissen anzuerkennen. Sie seufzte, legte den Kopf wieder auf dem Klapptisch ab und schloss die Augen. Der Schmerz biss in ihrem Rücken. Der Raum war still. Sie richtete sich auf, holte das DS hervor und begann ein sinnloses Puzzlespiel. Zehn Minuten, bis der Professor wieder Aufmerksamkeit forderte. Als kein Ergebnis genannt wurde, rechnete er hastig vor. Wie wollten diese Studenten im Winter Kristallographie bestehen, wenn sie schon bei den einfachen Aufgaben versagten? Oder waren die Aufgaben deswegen so einfach, weil sie die Kristallographie schon kann? Wahrscheinlich war sie der einzige Student im ganzen Hörsaal, der dem Professor überhaupt folgen konnte.
Er redete irgendetwas über Koordinationszahlen. KZ. Bei den Chemikern gab es jemanden, der sich weigerte, das Wort abzukürzen. Euphemismusparadoxon. Ich kann die negative Bedeutung eines Wortes nur dann durchbrechen, wenn ich es bewusst neutral oder positiv belege. Geil. Schwul. Naja, eher das Englische queer. Hitler als Witzfigur. Oder eben KZ. Ihr Freund war genauso. Hatte sie ihn damals davon überzeugen können oder nicht? Wieso sollte sie Angst vor zwei verdammten Buchstaben haben? Wie albern, wie deutsch.
»Die Koordinationszahlen der Kugelpackungen sind identisch«, insistierte der Professor. Sie sah auf, rechtzeitig, um zu sehen, wie er mit dem Finger gegen die Luft stieß, um jede Silbe zu betonen: »Und-die-Zahl-ist-zwölf.«
Nein, sechshundertsechsundsechzig, sie kicherte. Kristallographen waren der Antichrist und Plagioklas war die Antwort auf alles und gleichbedeutend mit Wasser. Brechungsindex zweiundvierzig. Zweiundvierzig war die Antwort auf alles. Dämlicher Geologen-Nerd-Insider. War sechshundertsechsundsechzig durch zwölf teilbar? Nein, nein, das musste eine andere Zahl sein. Sie war zu schläfrig, um zu rechnen und ihr Taschenrechner zu tief in ihrem Rucksack verbuddelt. Der Professor stellte irgendeine Frage, die sie nicht hörte. Ihr Kopf war leer. Schlafen? Schlafen. Sie verschränkte die Arme auf dem Tisch, legte den Kopf ab und schloss die Augen. Allgemeines Gemurmel. Der Professor wiederholte die Frage. Ob man mit irgendwelchen Mitteln irgendwie feststellen könne, welche Kugelpackung man habe. Sie entschied sich für Ja. Zu müde zum Nachdenken.
Der Professor schwieg eine Weile. Ihr Rücken brachte sie um. Kleine Messer in ihren Muskeln, nein, Hebel. Irgendjemand saß auf ihrer Wirbelsäule und zog an kleinen Hebeln. Sie setzte sich wieder auf, ihr Blick suchte den Dozenten. Dieser stand vor dem langen Tisch vor der Tafel und lächelte verzweifelt. Er konnte so nervös werden, wenn man ihn nicht verstand. Sie seufzte. Der Professor gestikulierte wild mit den Armen.
»Sie müssen sich doch fragen, wann immer ich eine Frage stelle. Nein, nicht ›Was ist das Ergebnis?‹ sondern, ›Wie beantworte ich die Frage?‹ Die Antwort ist doch offensichtlich!«
Zustimmendes Gemurmel aus dem Saal, indem mittlerweile auch sie aufgegeben hatte, seinen Ausführungen folgen zu wollen. Vielleicht nächste Woche. Vielleicht nächsten Monat. Sie sah auf die Uhr. Halb vier. Noch eine Viertelstunde. Vielleicht auch erst in der Woche vor den Prüfungen.