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Posts mit dem Label "flashfiction" werden angezeigt.

Der Unterstand

 Endlich hatte sie eine Höhle gefunden, die sie vor dem herannahenden Unwetter schützen konnte. Der Eingang lag hoch über dem Boden, weit genug, um die Wogen des Hochwassers aufzuhalten. Hoch genug, um ihren Feinden den Weg zu versperren. Sie kletterte auf die seltsamen, glatten Steine im Inneren. Ein Bein nach dem anderen, rechts und links im Wechsel. Im hellen Tageslicht, das ihr durch die Öffnung folgte, erkannte sie den Abgrund und die Wand dahinter. Irgendwo dort würde sie sich einen Spalt suchen und das Wetter abwarten. Vielleicht dauerte es zwei, vielleicht auch vier Tage, dann konnte sie in die offene Welt zurück, sich einen Partner und ein Nest suchen. Der Abgrund war tiefer und die Strecke weiter, als sie vermutet hatte. Als sie die Wand erreicht hatte, war die Sonne bereits verschwunden und nur der Mond erleuchtete blass die glatten Steine im Inneren. Ab und an zuckte ein Blitz am Himmel. Ein langer, andauernder Blitz. Nicht das rasche Leuchten des Gewitter...

Spuren im Zug

 Sie betrat wie jeden Morgen den Bahnhof. Es war kurz nach sechs Uhr und noch dunkel, obwohl man bereits eine Ahnung des nahenden Sommers haben konnte. Wie immer hatte sie den Weg vom Busbahnhof zu ihrem Zug im Laufschritt zurückgelegt. Es hatte wenig mit der Kälte oder der Dunkelheit zu tun. Auch der schlechte Ruf des Bahnhofsvorplatzes ließ sie kalt. Das Tempo ihrer Schritte war mehr eine Gewohnheit. Wie das Treppensteigen oder das Stehen an Haltestellen. Sie sagte sich immer, dass es diese Kleinigkeiten seien, die ihr erlaubten, niemals über ihre Essgewohnheiten nachdenken zu müssen und dennoch schlank zu bleiben. Der Zug war mit ihr gemeinsam eingetroffen, wie immer, wenn der Bus pünktlich an seinem Ziel angekommen war. Es war einer der großen, roten Doppelstockzüge, die die Deutsche Bahn auf ihren Nahverkehrsstrecken in der Nähe größerer Städte einsetzte. Sie wartete am ersten Wagen hinter der Lok, bis sich die Türen öffneten. Sie warf einen Blick auf die anderen Reisenden, fa...

Herbst (Flashfiction)

 Sie war mit den beiden Hunden im Wald unterwegs. Es war später Oktober, die Bäume um sie herum verloren nach und nach ihr gelbes und rotes Laub, sodass der Weg knöchelhoch bedeckt war. Die Hunde tollten ausgelassen im knisternden Laub, sie lief gedankenverloren durch den Wald. Der Weg schlängelte sich zwischen den Bäumen hindurch, ein Specht klopfte nach den letzten Insekten. Irgendwo hörte sie ein großes Tier im Dickicht, alles war friedlich.  An einer Wegkreuzung begegnete ihr ein älterer Mann. Er hatte einen großen Jagdhund bei sich. Angespannt pfiff sie nach ihren Hunden. Beide kamen ihr schwanzwedelnd entgegen, sie leinte sie an und sah auf den Mann. "Rüde?" "Kastriert", antwortete dieser lächelnd. Sie ließ ihre Hunde wieder frei laufen. Die drei Tiere beschnupperten sich gegenseitig und tollten dann gemeinsam durch das Laub. "Bin ich froh, er kann sonst nicht so toll mit Jagdhunden." Der Mann nickte nur. Sie gingen schweigend gemeinsam weiter den Wa...

Der unerwartete Gast

Klara betrat das Herrenhaus. Sie hatte die hell erleuchteten Fenster von der Straße aus gesehen und hoffte, hier Hilfe zu bekommen. Ein Mann in schwarzem Smoking hieß sie mit einem breiten Lächeln willkommen. „Entschuldigen Sie, wir hatten nicht mehr mit einem Gast gerechnet. Der Ball hat bereits begonnen. Bitte, folgen Sie mir.“ Klara schüttelte den Kopf. „Ich bin kein Gast, ich brauche nur Hilfe. Ich hatte einen Unfall und möchte die Polizei anrufen.“ Der Mann im Smoking ignorierte ihre Bitte. Er führte sie über den Flur in den hell erleuchteten Ballsaal. Duzende Pärchen tanzten über den Boden, mit Schritten so leicht, dass es aussah, als schwebten sie. Hunderte Kerzen erleuchteten den Saal, ihr Licht spiegelte sich in den raumhohen Fenstern. So oder so ähnlich mussten die Bälle Marie Antoinettes auf Versailles ausgesehen haben. „Bitte“, wandte sich Klara an den Mann im Smoking: „Ich muss wirklich die Polizei anrufen.“ Der Mann deutete auf eine Bank vor einem der Fenster. „Dann warte...

Lasermeeting (Flashfiction)

 Sie waren gerade gelandet. Die junge Frau machte sich sofort auf den Weg zum Hotel, gefolgt von ihrer Kollegin. Sie hatten nur wenig Gepäck bei sich und beschlossen, den Weg zu Fuß zurückzulegen. Die Stadt war schön und sauber angelegt. Helles Pflaster, helle, moderne, freundliche Häuser, Wasserläufe, Palmen. Die Sonne schien freundlich auf dieses Kleinod des modernen Orients. Die beiden Frauen erreichten einen wunderschönen, runden, gepflasterten Platz, der zur Straße hin offen, sonst aber von hohen Gebäuden umringt war, die den Besuchern Schatten spendeten. Auf einer Bank am Rande des Platzes saßen zwei Einheimische, eine junge Frau und ihre Mutter. Die beiden Reisenden hatten den Weg zum Hotel vergessen und beschlossen, sich zu erkundigen. Die junge Frau trat auf die beiden Einheimischen zu: "Bonjour!" "Bonjour!", die ältere der Frauen schien sich über die französische Begrüßung zu freuen. "Est-ce que je peux vous aider?" "Ah", machte die jun...

Die Tierwanderung (Flash Fiction)

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 Endlich wieder in Afrika. Die Umstände waren zwar anders, als ich es mir erhofft hatte, aber das war gleich. Seit ich den Süden dieses riesigen Kontinents das erste Mal betreten hatte, ging mir Afrika einfach nicht mehr aus dem Kopf. African homesickness nennt sich das Phänomen. Schon erstaunlich, es muss viele Leute betreffen, wenn es sogar einen Namen hat. Hier war ich also wieder, irgendwo in der Nähe von Johannesburg, zusammen mit einer guten Freundin und meinem Mischlingshund. Es war meine Freundin, deretwegen ich hier war. Sie hatte vor einigen Jahren ihre Schauspielkarriere begonnen und vor Kurzem in einer südafrikanischen Fernsehserie eine Dauerrolle ergattert. Wie auch immer sie das geschafft hatte. Nun stand ihr jedenfalls eine Preisverleihung bevor. Wir machten uns zu Fuß von ihrem Haus aus auf zu dem Hotel, in dem die Festlichkeiten stattfinden sollten. Es war ein längerer Fußmarsch von fast zwei Stunden, aber wir hatten ja den Hund dabei. Am Ziel erwartete uns ein kli...

Zeitbeben

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 Ich saß angespannt in dem kleinen Flugzeug. Die Passagiere neben mir versperrten den Blick aus dem Fenster, obwohl die Scheiben der kleinen Privatmaschine sehr groß waren. Ich hatte Bedenken, dass ich Stonehenge bei unserem Überflug nicht sehen würde. Wir waren am Morgen mit fünf Mann von einem der Londoner Flughäfen aufgebrochen und ich hatte das Glück gehabt, den Platz in der Mitte der Maschine zu erhaschen. Seufzend klopfte ich meinem Nachbarn auf die Schulter und hob meine Kamera: „Entschuldigung?“ Image by Joe from Pixabay Der junge Mann rückte lächelnd zur Seite. Ich beugte mich über ihn. Der Pilot flog zufällig eine Kurve und schien einen Platz für die Landung zu suchen. Ich presste das Teleobjektiv gegen die Scheibe des Flugzeuges, ohne auf die blonde Frau am Fenster zu achten, und machte hastig einige Bilder des Steinkreises. Im selben Moment fragte ich mich, warum ich mich eigentlich wie ein dummer Tourist benahm. Ich rückte auf meinen Platz zurück, kurz bevor der Pilot...

Sch(l)äfer (Flashfiction, Fantasy)

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 Sie wollte in der Stadt einkaufen. Von ihrem Campus aus war es nur eine halbe Stunde in die Innenstadt, also plante sie ihren Einkaufsbummel nach ihren Vorlesungen. Wie immer, wenn sie in der Universität war, und wie immer im Winter, trug sie die schwarze Lederhose, die schwarzen Lederstiefel und die schwarze Lederjacke, die sie so liebte. Sie fühlte sich wohl in ihrer Lederkluft und sie mochte das Gefühl, auf Fremde bedrohlich zu wirken. Es wiegte sie in Sicherheit. Da es sehr kalt und windig war und sie zu Ohrenschmerzen neigte, trug sie an diesem Tag zudem eine schwarze Wollmütze. In dieser Kleidung stieg sie vor ihrem Campus in der Nähe des Sportstadions in die Straßenbahn. Sie nahm, wie so oft, eine der hinteren Türen und nahm in der Mitte des Wagens auf einem freien Sitz Platz. Es waren zehn Stationen bis zur Innenstadt. Die Straßenbahn klingelte und setzte sich schwerfällig in Bewegung. Sei beobachtete die Leute, die auf dem Bürgersteig vorbeigingen und die Autofahrer auf d...

Die Flucht (Flashfiction)

 Sie hatten sich im Kerker unter dem Palast kennengelernt. Beide waren Kleinkriminelle und warteten auf ihren Prozess. Und beide wollten nicht tatenlos bleiben. So beschlossen sie gemeinsam ihre Flucht. An einem Nachmittag stahl einer von ihnen den Wachen den Schlüssel und während der Wachablösung brachen sie gemeinsam aus. Sie folgten den endlosen, labyrinthischen Gängen bis hinaus auf den Innenhof des Schlosses. Nun lag das Hauptgebäude vor ihnen, einer der am besten bewachten Plätze der ganzen Stadt. Und ihr einziger Weg in die Freiheit. Ohne sich umzusehen, hasteten die beiden Männer über den Platz. Mit einem Mal erklangen hinter ihnen laute Stimmen und sie wussten, dass man ihre Flucht bemerkt hatte. Sie rannten schneller, erreichten das Hauptgebäude. Doch der direkte Ausgang war bereits von Wachen versperrt. Ratlos sahen die Beiden einander an, bis einer von ihnen auf die Idee kam, es über die Galerie des großen Bankettsaals zu versuchen. Diese hatte zwei Ausgänge. Einer führ...

Maunz (Flashficiton)

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Image by Nikolay Georgiev from Pixabay   Sie wollte nur schnell zur Toilette, ehe die Vorlesung begann. Als sie zurückkehrte, ereignete sich jedoch Unglaubliches. Sie ging den Gang entlang, der hinter der Garderobe zum Hörsaal führte, bog um die Ecke und sah den Professor auf den Hörsaal zugehen. Ein kleiner Mann in den Fünfzigern, schütteres, graues Haar. Gekleidet mit demselben alten Anzug, in welchem man ihn immer antraf. Sie beeilte sich, zu den Anderen zu gelangen, um einen guten Platz zu erhalten, doch als sie die Türen des Hörsaals sah, war der Professor verschwunden. Der Gruppe Studenten, die auf Zugang in den Hörsaal warteten, schien dies nicht aufgefallen zu sein. Vier Männer näherten sich, alle bewaffnet mit futuristischen Pistolen. Sie war noch zu weit weg, um zu verstehen, was die Männer sagten, doch sie sah an den Gesichtern der Studenten, dass sie nicht freundlich gesonnen waren. Ihre Freundin winkte ihr zu und versuchte, sie wild gestikulierend dazu zu bringen, sic...

Königin der Nacht (Flashfiction; Fantasy; Romantik)

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Image by David Mark from Pixabay    Sie hatte die Gruppe aus den Augen verloren und irrte nun allein in dem großen Park herum. Sie hatte es ja von Anfang an für eine miserable Idee gehalten, mit all diesen Jugendlichen in einen Freizeitpark zu fahren, als einzige Erwachsene. Aber auf anderem Wege hätte sie diesen Park vermutlich nie besuchen können und diese neue Achterbahn nicht ausprobieren können. Sie war kein Achterbahnjunkie, keiner dieser Irren, die ihr Leben damit verbrachten, zu vergleichen, wie oft sie mit welcher Bahn gefahren waren. Aber sie mochte Achterbahnen und wollte so viele davon fahren, wie nur irgend möglich. Doch nun hatte sie die Kleingruppe, mit der sie unterwegs war, aus den Augen verloren. Nachdem sie zuvor noch an dem kleinen See standen, wo man Tretboot fahren konnte und es diese neuen, modernen Attraktionen mit den Schiffen und den Wasserkanonen gab. Sie erinnerte sich noch an den schwarzen Parkmitarbeiter, mit dem sie sich kurz unterhalten hatte u...

Velosiped

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by pixaby    Sie wusste nicht, wie lange sie schon unterwegs war. Vor einer Ewigkeit, wie ihr schien, war sie mit dem Fahrrad auf den Standstreifen der Autobahn aufgefahren und radelte nun mit voller Kraft neben den LKWs her. Niemand schien das Mädchen auf dem Rad zu bemerken. Die Autobahn führte immer geradeaus, zum Horizont und immer, wenn sie glaubte, den Horizont erreicht zu haben, wuchs ein neues Stück Asphalt in den Himmel. Um sie herum gab es nichts, es schien, als existiere keine Welt jenseits dieser Autobahn. Keine Straßenschilder, keine Notrufsäulen. Nur Asphalt, Lastwagen und ein Mädchen auf einem Fahrrad. Sie erreichte einen Abschnitt der Autobahn, der mit Kies bedeckt war. Weiße Kieselsteine auf dem Standstreifen, Schotter auf der Fahrbahn. Das Rad schlingerte, sie hatte Mühe, es unter Kontrolle zu halten. Endlich fand das Mädchen eine Abfahrt. Sie bog ab, ließ das Rad bis auf die Landstraße rollen. Hier war niemand mehr. Keine LKWs, keine Autos, keine Menschen. D...

Eidcafé

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     Es begann, in Strömen zu regnen. Die beiden Streifenpolizisten gingen eilig dicht an der Häuserfront entlang. Streife in dieser Fußgängerzone war eine Art Strafdienst, zumindest wurde er von den Polizisten als solcher empfunden. Hier war nichts los, es geschah niemals etwas. Strafdienst oder Schikane, um neue Polizisten im Revier zu ärgern. Nur, dass sich diese beiden Polizisten weder etwas hatten zu Schulden kommen lassen, noch waren sie neu im Revier. Sie waren einfach nur hier, an einem Spätsommerabend, gegen neun Uhr, in strömendem Regen. In einer langweiligen, nassen, dunklen Fußgängerzone. Allein. Es waren schon seid einiger Zeit keine Passanten mehr hier. Die Geschäfte hatten zu und das Wetter eignete sich nicht, in Straßencafés, Biergärten und dergleichen zu sitzen. Immer wieder gab es unvermittelte Schauer, der Wetterbericht hatte auch von Gewittern gesprochen. Der größere der Polizisten, ein junger Mann mit dunkelblonden Locken, blieb vor einem Schaufenster...