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Satanskerker, Gentlemen's Game und der historische Thriller: 3x1 Grund, sich auf den Herbst zu freuen

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 Hallo liebe Mitgefangenen in der Welt der Buchstaben! Nach einer gefühlten Ewigkeit - also einem halben Jahr - ist es soweit. Satanskerker (Arbeitstitel Nr. 1) ist an die Testleser gegangen. Ich erwarte sehr gespannt das Feedback, damit ich in den nächsten Überarbeitungswahnsinn fallen kann. Bis dahin weiß ich nicht so recht, was ich eigentlich mit mir anfangen soll. Der Act-Tower in Hamamatsu Sicher, da ist Tsuru-Gumi, der Yakuza-Jugendthriller. Das   Coming-of-Age und Coming-Out des Gangster-Sohnes Ikko, der sich keinen schlechteren Zeitpunkt für seine erste große Liebe hätte aussuchen können. Vor der exotischen Kulisse der erstaunlich unbekannten großen Kleinstadt Hamamatsu entwickelt sich so das Schicksal der Zwillingsbrüder Ikko und Niko in ihrem Kampf um die Anerkennung ihres Vaters. Tsuru-Gumi sucht übrigens auch willige Testleser, denn die Rohfassung steht schon! Als Testleser erhaltet ihr quasi einen Beta-Zugang zum ebook. Im Gegenzug erwarte ich nur, dass ihr e...

Der Unterstand

 Endlich hatte sie eine Höhle gefunden, die sie vor dem herannahenden Unwetter schützen konnte. Der Eingang lag hoch über dem Boden, weit genug, um die Wogen des Hochwassers aufzuhalten. Hoch genug, um ihren Feinden den Weg zu versperren. Sie kletterte auf die seltsamen, glatten Steine im Inneren. Ein Bein nach dem anderen, rechts und links im Wechsel. Im hellen Tageslicht, das ihr durch die Öffnung folgte, erkannte sie den Abgrund und die Wand dahinter. Irgendwo dort würde sie sich einen Spalt suchen und das Wetter abwarten. Vielleicht dauerte es zwei, vielleicht auch vier Tage, dann konnte sie in die offene Welt zurück, sich einen Partner und ein Nest suchen. Der Abgrund war tiefer und die Strecke weiter, als sie vermutet hatte. Als sie die Wand erreicht hatte, war die Sonne bereits verschwunden und nur der Mond erleuchtete blass die glatten Steine im Inneren. Ab und an zuckte ein Blitz am Himmel. Ein langer, andauernder Blitz. Nicht das rasche Leuchten des Gewitter...

Scheckkartenspuckender Snackautomat

 Es war ein gewöhnlicher Donnerstagvormittag, so gegen elf Uhr, ich stand am Frankfurter Hauptbahnhof und wartete auf eine U-Bahn zum Willy-Brand-Platz. Ich war froh, in der urinverseuchten U-Bahn-Station zu sein. Draußen war es kalt und selbst auf den oberirdischen Bahnsteigen noch windig, doch hier in der Station staute sich die Luft, was eine gemütliche Wärme mit sich brachte. Mein Blick fiel auf die Anzeigetafeln für die U-Bahn-Linien. U5 in vier Minuten. Ich trottete zu den Rolltreppen, die unter der Station hindurch zu den S-Bahnen führen, um mir die polierten Kalksteine anzusehen, mit denen die Wände dort verkleidet sind. Auf einer der Platten sind eindeutig Fossilien zu sehen; mehrere, auch sehr große Gehäuse irgendwelcher Tiere, aber außer einer winzigen Schnecke kann ich keine der Formen irgendeinem Wesen zuordnen. Sie sehen aus wie riesige Pantoffeltierchen. Auf dem Weg zu den Kalksteinplatten kommt man an einem der Snackautomaten vorbei, die die Verkehrsbetriebe auf den...

Navi in Belgrad

 »Pjotr! Sie haben geantwortet! Ich kann sofort anfangen!« Marija wedelte mit dem Brief vor der Nase ihres Verlobten herum. Pjotr nahm ihr Handgelenk und drückte es sanft herunter. Er schüttelte den Kopf. »Ich bin immer noch der Meinung, dass an diesem Krankenhaus etwas nicht stimmt. Der Lohn ist zu hoch und sie bezahlen dir sogar das Hotel, damit du in der Probezeit in der Nähe wohnen kannst. Ich bitte dich.« »Du bist ein Griesgram. Freu dich lieber. Das ist die beste Stelle, die ich als Kinderärztin überhaupt bekommen kann.« »Vielleicht. Wenn du denn in dem Krankenhaus überhaupt noch Patienten haben wirst. Ist das nicht diese Säuglingsklinik mit Entbindungsstation? Wo in den letzten Wochen immer wieder Schwangere gestorben sind?« Marija seufzte, legte den Brief auf dem Tisch ab und setzte sich. Sie sah Pjotr tief in die Augen. »Ja, das ist die Klinik. Sie hatten ein paar Unglücksfälle in der letzten Zeit. Das kann in jeder Klinik passieren. Ich werde mir die Klinik jedenfalls ans...

Der Antipode

 Sie sah erst auf die große Bahnhofsuhr, dann auf ihre Armbanduhr und zuletzt auf ihr Handy. Der Bus war heute tatsächlich pünktlich gewesen und sie hatte noch Zeit, vor der Abfahrt ihres Zuges in den Bahnhofskiosk und zum Bäcker zu gehen. Die neueste Reiterzeitschrift, um unterwegs zu lesen und zwei Schokobrötchen und eine Flasche Cola, um das viel zu karge Frühstück auszugleichen. Sie konnte sich auch für die halbe Stunde vor der Abfahrt schon in den Zug setzen und ein wenig vor sich hindösen oder vielleicht sogar schlafen. Schlafen kostete weniger Geld und hatte weniger Kalorien als Zeitschriften und Schokobrötchen. Sie betrachtete den Zug, die Türen standen offen. Sie entschied sich dafür, einzusteigen und aus dem Fenster zu starren oder in ihrem Buch zu lesen, und hielt mit großen Schritten auf das Abteil zu. Die rote Lokomotive ließ zischend Luft ab, als Anette auf einer Höhe mit der Fahrertür war. Sie erschrak nicht, sie hatte immer das Glück, dass solche Dinge genau neben i...

Geisterjagd

 Wir hatten zusammen einigen grenzwertigen Blödsinn angestellt, Nina und ich, aber ich glaube, dass die Sache mit der Domäne Blumenrod das mit Abstand spektakulärste Bubenstück war. Wir waren, wie alle Teenager, auf Abenteuer aus und was lag näher, als ein verfluchtes Haus zu untersuchen? Nina hatte Geschichten über Geister in der Domäne aufgeschnappt, immer wieder erzählt und weiter ausgeschmückt. Das Gebäude war baufällig, mehrere Firmen hatten sich angeblich an der Renovierung versucht, und waren gescheitert. Angeblich weil jemand oder etwas die Bauarbeiten behinderte. Dabei war erst von Einbrechern die Rede, dann von Obdachlosen, Sekten, Geistern und schließlich Dämonen. Als die Geschichte nicht mehr zu steigern war, entschlossen wir uns, dem Ganzen selbst auf den Grund zu gehen. Wir beobachteten das Gebäude über mehrere Tage von unserer Seite des maroden Bauzauns aus, sammelten alle möglichen Gerüchte, lasen die Warnschilder und den Hinweis auf Denkmalschutz am Zaun und versuc...

Spuren im Zug

 Sie betrat wie jeden Morgen den Bahnhof. Es war kurz nach sechs Uhr und noch dunkel, obwohl man bereits eine Ahnung des nahenden Sommers haben konnte. Wie immer hatte sie den Weg vom Busbahnhof zu ihrem Zug im Laufschritt zurückgelegt. Es hatte wenig mit der Kälte oder der Dunkelheit zu tun. Auch der schlechte Ruf des Bahnhofsvorplatzes ließ sie kalt. Das Tempo ihrer Schritte war mehr eine Gewohnheit. Wie das Treppensteigen oder das Stehen an Haltestellen. Sie sagte sich immer, dass es diese Kleinigkeiten seien, die ihr erlaubten, niemals über ihre Essgewohnheiten nachdenken zu müssen und dennoch schlank zu bleiben. Der Zug war mit ihr gemeinsam eingetroffen, wie immer, wenn der Bus pünktlich an seinem Ziel angekommen war. Es war einer der großen, roten Doppelstockzüge, die die Deutsche Bahn auf ihren Nahverkehrsstrecken in der Nähe größerer Städte einsetzte. Sie wartete am ersten Wagen hinter der Lok, bis sich die Türen öffneten. Sie warf einen Blick auf die anderen Reisenden, fa...