Hallo meine Mitgefangenen in der Welt der Buchstaben!
Letzte Woche hatte der TTT ein spannendes Thema. Wer den Artikel und meine persönliche Hindernisse dazu noch nicht gelesen hat, kann dies gerne hier nachholen.
Diese Woche ist das Thema wieder interessant - und meinungsgeladen - genug, damit ich wieder teilnehme. Und wer weiß, vielleicht bleibe ich diesmal auch länger wieder dabei. Das werden wir sehen. Jetzt aber erstmal:
Zeige uns 10 Bücher, die du gerne verfilmt sehen möchtest!
Ich bin mal gespannt, ob ich zehn zusammen bekomme, denn viele Bücher und Manga (die ich mal vorsichtshalber mitzähle), sind in den letzten Jahren bereits verfilmt worden, manche mehr, manche weniger gut. Vielleicht muss ich Neuverfilmungen mit reinnehmen oder ich werde auf Videospiele ausweichen, denn da habe ich schon lange den Wunsch, wenigstens eines als Serie zu sehen.
Was mich zu einema nderen Punkt führt: Tendenziell ist eine Verfilmung für mich eher eine (Mini-)Serie als ein Kinofilm, denn so gerne ich ins Kino gehe, die meisten Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, sind zu komplex, um einen befriedigenden einzelnen Film abzugeben.
Aber genug Vorgeplänkel, fangen wir an!
Harry Harrison: Diesseits von Eden
Der Auftakt der Eden-Trilogie. Ich liebe die Bücher, seit ich sie in Händen hatte. Die Geschichte ist erfrischend anders, Menschen und Echsenwesen (häufig fälschlich Dinosaurier genannt) teilen sich eine Erde, doch die beiden Arten sind verfeindet. Der junge Kerrick wird von den Yilané (den Echsen) gefangengenommen und wächst bei ihnen auf. Er lernt ihre Sprache und Gebräuche und weiß bald nicht mehr, ob er Mensch oder Yilané ist und auf wessen Seite er in dem drohenden Krieg stehen soll.
Die Bücher sind voll von faszinierendem Weltenbau, insbesondere was Technik und Politik angeht und nehemn Abstand von dem Schwarz-Weiß, das so verbreitet in Fantasy ist, gerade in den moderneren Ansätzen. Und es ist erfrischend unähnlich zu Tolkien, trotz einiger ähnlicher Themen.
Dalene Mathee: Unter dem Kalanderbaum
Der neueste Zugang in meienr Liste der Lieblingsbücher. Das Buch handelt von Saul Barnard, einem jungen, niederländisch-stämmigen Holzfällersohn aus der Umgebung von Knysna (Südafrika), der als einziger in seiner kleinen Gemeinde die Tricks der britischen Machthaber durchschaut und dagegen aufbegehrt. Das Buch bietet einen faszinierenden Einblick in die Kap-Kolonie um 1850, den südafrikanischen Goldrausch und die Jagd auf die Knysna-Elefanten, die beinahe zur Ausrottung der Elefanten in Südafrika geführt hätte. Sauls Besonderheit (und sein Antrieb) ist dabei seine enge, spirituelle Verbindung zu dem einsamen Elefantenbullen Oupoot, dem Herren des Waldes.
Mathee gibt am Ende des Buches sogar ihre Recherche-Quellen an, was ich mir jetzt, da ich es einmal gesehen habe, für jeden historischen Roman wünschen würde.
Peter S. Beagle: Es kamen drei Damen im Abendrot
Wenn ich mir ansehe, welchen Status "Das letzte Einhorn" erreicht hat (der Film im Speziellen) wundert es mich ein wenig, dass Beagles andere Bücher nie adaptiert wurden. Die drei Damen gehören, zumindest in Amerika, zu seinen bekannteren Büchern und haben eine eigene kleine Fangemeinde, nicht umsonst. Die Geschichte um "den Jungen", der mitansieht, wie seine Verlobte am Vorabend seiner Hochzeit ertrinkt und dann von einer durchreisenden Zauberin gerettet wird, gehört in meinen Augen zu den herausragenden Fantasy-Werken. Allerdings sehe ich ein, dass das Buch durch seinen Stil schwer zugänglich ist. Nicht Beagles poetische Sprache ist hier das Problem, sondern die Tatsache, dass die Geschichte abwechselnd aus wenigstens sechs Perspektiven erzählt wird und sich dadurch zwangsläufig Ereignisse wiederholen.
Trotzdem bin ich mir sicher, dass ein Film der Geschichte um "den Jungen" und die drei Magier, die er trifft, gerecht werden würde. Und der Cast ist extrem divers aufgestellt. In jeder Hinsicht. Einzig die Sex-Szene, die ein erstaunlich integraler Part der Geschichte ist, könnte ein größeres Hindernis darstellen.
Peter S. Beagle: He, Rebbeck!
Bleiben wir bei diesem Autor und werfen auf einen Blick auf ein deutlich philosophischres Werk. He, Rebbeck! handelt von einem alten, einsamen Mann, der durch einen Geist und einen sprechenden Raben allmählich den SInn (oder Unsinn) des Lebens entdeckt. Die Geschichte spielt im neuzeitlichen New York und zwar zum größten Teil auf einem Friedhof. Viel Handlung hat das Buch nicht, so weit ich mich erinnern kann (das ich es gelesen habe, ist zwanzig Jahre her), aber dennoch würde ich mir einen Film wünschen - hier würde ein Film auch reichen - und sei es nur, um die Geschichte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Und hier hört es auch auf. Meine Top Ten sind eine Top Vier, wenn ich mir ausschließlich Bücher ansehe, die ich mag und die noch nicht verfilmt worden sind. Vielleicht ließe sich ein fünftes Buch einflechten, aber da bin ich mir selbst nicht sicher, ob ich mir eine Verfilmung wünsche oder nicht, weshalb ich es außenvorlasse. Womit wir bei anderen Medien wären und bei Neuverfilmungen, weil die bestehende eine Katastrophe ist.
Masami Kurumada: B't X

Kurumada ist einer meiner Lieblings-Mangaka, was eine sehr seltsame Aussage für eine Deutsche ist. Warum? Weil deutsche Leser, im Gegensatz zu gefühlt allen anderen auf der Welt, scheinbar nicht über seinen recht groben Zeichenstil hinweg sehen können. Eine Oberflächlichkeit, die umso bedauernswerter ist, als dass Kurumadas Geschichten für Shounen-Action-Manga doch sehr tiefgründig und tragisch sind. B't X mag kein Saint Seiya sein, es hat nicht denselben epischen Umfang und dasselbe tiefe mythologische Lore - aber dafür gewinnt die Serie an Charaktertiefe und einer erschreckenden Aktualität. Es geht um ein kleines Reich, irgendwo in der Wüste verborgen, dass sentiente Roboter (und ihre Reiter) nutzt, um ihre Version einer perfekten Welt durchzusetzen, während es von innen heraus von seiner eigenen, fleischgewordenen Hybris aufgefressen wird. Kurumada selbst hat in einem Nachwort geschrieben, dass er hofft, dass diese Geschichte Science-Fiction bleiben wird - gelesen habe ich die Serie zwischen 2001 und 2012, was diesem Nachwort dieselbe Schlagkraft verliehen hat wie dem Vorwort zu Hugos "Die Elenden".
Leider wurde der Manga in Deutschland niemals ganz auf den Markt gebracht (ein Schicksal, das er mit dem ebenso großartigen Banana Fish von Akimi Yoshida teilt), so dass ich auf das US Release warten musste und zwischendrin sogar einen Band auf Französisch gelesen habe, um die ganze Story zu bekommen.
Zum Glück gibt es zwei (recht obskure) Anime-Adaptionen, könnte man meinen. Nur das diese Schrott sind (verzeiht die harten Worte). Schon die ersten zwölf Folgen entfernen sich recht weit von dem Quellenmaterial und verwandeln B't X von einem erstaunlich kritischen und philosophischen WErk voller Charaktertiefe in einen Standard-Action-Anime der 90er Jahre. Die OVA, die das Ende der Geschichte adaptieren soll, macht es noch schlimmer, in dem sie 70% der Story einfach auslässt und den Rest massiv verändert. Einzig das Ende gefällt mir im Anime tatsächlich besser. Daher würde ich mir eine Neuauflage von B't X wünschen, dichter am Original und vorzugsweise animiert und produziert von Madhouse, MAPPA oder M3, deren Adaptionen mich bisher noch nicht enttäuscht haben (M3 hat auch nur einen Titel im Katalog bisher *lacht*).
Bethesda Softworks: The Elder Scrolls III - Morrowind
Ich hatte Videospiel-Verfilmungen erwähnt, nicht wahr?
Tja, hier kommt er, mein vielleicht größter Wunsch, seit ich Herr der Ringe im Kino gesehen habe: Eine epische, mehrteilige Verfilmung der Hauptstory von Morrowind, der besten Hauptstory einer Elder-Scrolls-Spiels überhaupt (Daggerfall mag ein guter zweiter Platz sein und The Elder Scrolls Online ein solider dritter).
Morrowind handelt von dem namenlosen Gefagenen (ach?), der auf die überaus traditionelle (um es nett auszudrücken) Insel Vvardenfell geschickt wird, um dort im Namen des Kaiserreichs ein religiös-politisches Dilemma beizulegen, indem er oder sie sich als Nerevarine (die prophezeihte Erlöserfigur der Aschländer, der Ureinwohner der Insel) beweist und gleichzeitig den Fluch des Hauses Dagoth bricht. Wer nur Oblivion oder Skyrim aus der Reihe kennt, hat keine Ahnung, wie verdammt gut die Hauptquests der Serie früher mal waren. Wie filmreif.
Del Toro, Peter Jackson und Bethesda sollten sich wirklich zusammentun. Herr der Ringe ist ein Witz dagegen. (Und grundsätzlich gibt das Universum ebenso viele Storys zum Adaptieren her wie Tolkien, wenn nicht mehr. Und die Geschichten liegen schon in Skriptform vor. WARUM EXISTIERT DIE ADAPTION NOCH NICHT?)
Dreamer's Guild - Erben der Erde
Bleiben wir bei Videospielen. Erben der Erde ist eine wunderschöne, märchenhafte Geschichte über die Welt nach den Menschen. Bevor sie verschwunden sind, haben sie eine Reihe an Gaben an die Tiere weitergegeben, die nun an ihrer Stelle in einer Art Mittelalter wie wir leben. Die Geschichte handelt von dem jungen Fuchs Rif, der als Mitglied des fahrenden Volkes beschuldigt wird, die Sturmkugel gestohlen zu haben, ein wichtiges Artefakt, welches das Wetter vorhersagen kann. Rifs Freundin Rhene wird von den Ebern (Wildschweinen) gefangen genommen, die drohen, sie zu töten, wenn Rif die Kugel nicht bis zum nächsten Neumond zurückgebracht hat.
Begleitet wird der Fuchs von einem Mitglied der Wache der Eber und der Wache der Elche (eigentlich Elks, Wapitis), die sich über die Zeit mit ihm anfreunden. Ich liebe die Geschichte und gehöre zu den Unterstützern, die sich dringend einen zweiten Teil wünschen. Es gibt auch eine Reihe an Comics, die in der Welt spielen und ich würde mich wirklich über eine Adaption freuen, um diese großartige Story mehr Menschen zugänglich zu machen.
Übrigens war meine erste Ratte nach dem Anführer der Ratten aus dem Spiel benannt. Sist. Freundlicher kleiner Sist.
Brian Moriarty (Lucasarts/ Disney) - Loom
Die Nennung der Firma, die aktuell die Rechte an der Geschichte hält, sollte eigentlich alles sagen. Ich weiß aus Erfahrung sehr sicher, dass Disney LucasFilm nur für StarWars gekauft hat und sie nicht den blassesten Schimmer einer Ahnung haben, wie viele Drehbücher ihnen quasi mitgeliefert wurden. Sie könnten sich die ganzen Neuauflagen an den Hut stecken und richtige neue Filme produzieren. Monkey Island (das auf derselben Attraktion beruht wie Fluch der Karibik, aber storytechnisch in eine etwas andere Richtung geht), Maniac Mansion, Zak MacKracken, Day of the Tentacle. Und, da Disney ja gerne Familienfilme macht:
LOOM.
Vielleicht bin ich dem Spiel gegenüber übermäßig nostalgisch, da es eines der ersten Computerspiele war, die ich je gespielt habe und das erste, das ich je geschafft habe. Aber ich liebe die Story, eine etwas eigentümliche, lose Adaption von Schwanensee, aus dem das Spiel auch die Musik übernommen hat. Es geht um den jungen Weber Bobbin, der von seiner Mutter aus dem Nichts erschaffen wurde, um ihr sterbendes, inzuchtgeplagtes Volk zu retten. Doch Bobbins Mutter wird zu Strafe für ihre Blasphemie verbannt und er wächst in der Obhut einer alten Frau auf, die ihn heimlich in der Zauberei der Weber unterrichtet. Als seine Ziehmutter ebenfalls verbannt wird, macht sich Bobbin auf die Suche nach ihr und seiner leiblichen Mutter und muss dabei, ganz nebenbei, die Vernichtung der ihm bekannten Welt aufhalten.
Nochmal, Disney: Ihr habt ein Drehbuch einer perfekten Story, inklusive Soundtrack und Storyboard. Ihr müsst es nur noch umsetzen. Niemand will Live Action Remakes!
Mein Gott, wenn dieses Spiel tatsächlich als Abandoned Ware enden sollte, nehme ich den Film vielleicht selbst in Angriff.
Und obwohl ich tatsächlich noch mehr Spiele im Kopf hätte, die ich gerne verfilmt sehen würde (die meisten davon sind Point'n'Click-Adventures, was sich anbietet, da sie vom Genre her ja schon interaktive Filme sind), möchte ich auf den letzten zwei Plätzen gerne noch Romane erwähnen, die in ihrer Adaption nicht so gut davon gekommen sind, wie ich mir das gewünscht hätte (Sorry, Beneath a Steel Sky und Fortsetzung. Sorry, Sanitarium.):
Lois Lowry: Hüter der Erinnerung
Meine Gedanken zum Buch selbst findet ihr in meinem
Beitrag von letzter Woche, deswegen gehe ich hier nur auf die Adaption ein:
Ich mag den Stil, die Idee, dass der Film nur schrittweise Farbe bekommt, während Jonas selbst lernt, sie zu sehen. Ich mag die Besetzung (Meryl Streep ist IMMER ein plus) und ich mag die erste Hälfte des Films. Danach geht es abwärts. Was soll das Liebesdreieck? Was soll diese alberne Hollywood-Verfolgungsjagd? Der Film könnte hervorragend sein, wenn Hollywood nicht der Meinung gewesen wäre, Hollywood-Klischees einbauen zu müssen. Ernsthaft.
Macht den Film neu, mit der gleichen Idee, aber einem Ende, das dem Buch entspricht und ich bin glücklich. Und wenn wir dabei sind: Die Geschichte erstreckt sich über vier Teile. Wie wäre es mit dem Rest?
David Mitchell: Der Wolkenatlas (nur für diese eine Sache)
Ok. Ich versuche, mich kurz zu fassen, weil ich eigentlich zu den Leuten gehöre, die den Film mögen. Für ein Buch, das so schwer filmisch umzusetzen ist, weil sich so viel zwischen den Zeilen abspielt, ist er nämlich sehr gut gelungen. Auch, nachdem ich das Buch gelesen habe, schaue ich ihn immer noch gern.
ABER: Was ist in die Filmemacher gefahren, dass sie ausgerechnet die Nahe Zukunft (Neo-Seoul) so massiv verändern mussten? Alle anderen Zeitabschnitte sind erkennbar nah am Buch gehalten, nur die eigentlich kritische Betrachtung von Kapitalismus und Consumerism (im Buch als "Konzernokratie" bezeichnet) musste in ein Hollywood-Klischee-Fest verwandelt werden. Vielleicht ist es aus dem kurzen Rant oben schon rausgekommen: Ich bin kein Freund davon, Liebesdreiecke und Verfolgungsjagden einzubauen, nur, weil die Filmindustrie glaubt, dass man diese für einen guten Film braucht. Spoiler: In den meisten Fällen macht mindestens eins von beidem eine ansonsten gute Story kaputt.
Wo ist das Problem, dass Leute bestraft werden, wenn sie das ihnen zugeteilte Geld nicht ausgeben können? Wo ist die absolute Respektlosigkeit, mit der die Menschen mit Waren und miteinander umgehen? Wo ist der Rahmen der Handlung, die die Basis der Religion in der Fernen Zukunft bildet?
Oh, und warum spielt die Ferne Zukunft auf einem anderen Planeten, wenn wir schon dabei sind? Jeder andere Aspekt dieser Verfilmung ist gut, aber was sie aus Neo-Seoul (und in Erweiterung der Fernen Zukunft) gemacht haben, regt mich jedes Mal auf, wenn ich darüber nachdenke.
Aber damit genug geflucht. Wie sieht es bei euch aus? Welche Geschichten würdet ihr gerne verfilmt sehen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen und bis zum nächsten Mal!
Und denkt daran: Wir sind alle nur Tropfen in einem riesigen Ozean. Aber was ist ein Ozean mehr als eine Vielzahl von Tropfen?