Sonntag, 22. März 2015

Mutter-Theresa-Komplex?

Aloha

Ich habe eine gewisse Vorliebe, meinen Charakteren Lieder zuzuschustern. Die Idee der so genannten Image-Songs habe ich aus diversen Animes und ich muss gestehen, es macht Spaß, Lieder zu finden, die zu bestimmten Charakteren (oder deren Lebensumständen) passen. Angefangen hat das alles vor Jahren, als ich versucht habe, das Leben meines geliebten Feig quasi in ein Musical zu verwandeln. Seit diesem Tag rennen mir die Assoziationen zwischen Charas und Liedern wirklick manchmal die Türen ein.

Das betrifft sowohl eigene Charaktere und Stories als auch fremde, zu denen ich eine gewisse Beziehung aufgebaut habe. Berüchtigt dürften wohl meine Enzai-CDs in meinem Lieblings-RPG-Forum sein *lach* Hier versuche ich mich an der musikalischen Charakterisierung aller beteiligten Charas.

Aber eigentlich wollte ich mit der Geschichte auf etwas Anderes heraus. Weil ich gerade daran sitze, meinen liebsten "geklauten" Chara zu vertonen: Aslan Jade Callenreese aka Ash Lynx aus "Banana Fish" (Manga von Akimi Yoshida). Ash ist ein unglaublich lebendiger und inspirierender Charakter, den ich auch gerne mal als "Testobjekt" ausleihe und der in meinem Kopf entsprechend viele Facetten bekommen hat. Wobei das Original schon sehr vielschichtig ist. Entsprechend viele Ideen für passende Lieder habe ich für den guten Mann (der im RPG Masters auch schon eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Er bzw. auf ihm basierende Charas passen halt einfach überall rein ^^).

Beim durchgucken meinder Liederliste für ein kleines Fanvideo (für mich und meine Hauptspielpartnerin) ist mir aber etwas aufgefallen: Die Lieder, die zu Ash passen, passen häufig auch zu anderen Charakteren, die ich wirklich gerne habe. Vor allem zu solchen, die nicht aus meiner Feder stammen, sondern deren "Leiden" ich mir einfach gerne ansehe. Ikki und Saga aus "Saint Seiya" (Masami Kurumada) vor allem.
Natürlich habe ich angefangen, darüber nachzudenken, was die verschiedenen Charaktere eigentlich gemeinsam haben. Vor allem, weil ich Ikki und Saga nicht so verinnerlicht habe und sie entsprechend "flach" und einseitig in meinem Kopf vorliegen. Die Ähnlichkeiten sind eigentlich augenfällig: Alle drei Charaktere sind unglaublich tragisch. Ash wurde als Kind Opfer von Missbrauch und kam Zeit seines Lebens aus der Opferrolle nicht heraus. Ikki musste im Alter von vier Jahren die Verantwortung für seinen kleinen Bruder übernehmen, wurde später misshandelt und kann zu allem Überfluss nicht einmal sterben. Saga leidet darunter, dass er in seiner Jugend versucht hatte, seine Königin zu töten, um selbst Herrscher zu werden (von dem Problem mit sienem Bruder ganz abgesehen).

Für alle drei Charas ist das Leid essenziell für die Story. Mehr noch *SPOILER* alle drei Charas zerbrechen daran. Ikki überlebt es zwar (klar, wenn man unsterblich ist), aber auch er ist ein gebrochener Charakter.

Die Frage für mich ist jetzt: Warum habe ich offensichtlich eine Affinität zu kaputten Charas? Hat es mit dem Sadismus zu tun, den man als Autor besitzen muss? Immerhin geht es darum, seine eigenen Kreationen durch die Hölle zu schicken, auf die eine oder andere Art. Haben Yoshida und Kurumada ihre Arbeit so gut erledigt, dass man die Kreationen einfach nur bewundern kann für das, was sie sind? Wenn ja, warum bewundere ich dann bei Kurumade nur zwei von etlichen tragischen Charakteren (die zum Teil viel besser ausgearbeitet sind als Saga)?
Oder ist es Mitleid mit den Charakteren? Eine Art "Mutter-Theresa-Komplex"? Habe ich das Bedürfnis das Leid dieser Charas zu beenden, weil es so unglaublich groß erscheint? Bei Ash vielleicht. Immerhin adaptiere ich Teile seines Charakters, teilweise auch Teile seiner Story für meine RPG-Charas. Dagegen spricht, dass ich ihn dann wieder in dieselben oder sehr ähnliche Situationen hineinlaufen lasse (aus denen er noch kaputter hervorgeht, als das im Original der Fall ist).
Will ich von den Darstellungen lernen?

Warum ziehen manche Charaktere überhaupt die Aufmerksamkeit der Leser/ Zuschauer so sehr auf sich, während andere untergehen? Ich weiß, dass ich nicht der einzige Fan dieser drei Charas bin, sondern sie mit einer wirklich sehr großen Fangemeinde teile.

Eine Antwort kann ich darauf nicht geben. Ich kann nur hoffen, durch die Beschäftigung mit solchen offenbar herausragenden Charakteren selbst bessere Charaktere erschaffen zu können. Saga ist ein schönes Beispiel, dass man nicht unnötig viel über einen Charakter wissen muss, um ihn zu bewundern.
Und keine Angst, ich werde Charaktere, die mich begeistert und inspireirt haben, in meinem persönlichen Charakterkurs vorstellen. Ich glaube nämlich, dass man durch nichts Charaerstellung so gut lernen kann wie durch Charakteranalyse ^^

Zu euch:
Welche Charaktere faszinieren euch? Warum? Was sind ihre Gemeinsamkeiten? Was unterscheidet sie? Seid ihr schon einmal einem (fremden) Chara begegnet, der euch einfach nicht mehr losgelassen hat?

Samstag, 14. März 2015

Der "biologische" Aufbau einer Geschichte

Aloha

Bevor ich zu meiner Serie über die Szene komme, möchte ich kurz klarstellen, wie ich eine Geschichte strukturiert sehe. Da ich naturwissenschaftlich ausgebildet bin, nutze ich ein hierarschisches System (ähnlich dem Konzept der Biologen oder dem der Geologen). Dabei sortiere ich allerdings "umgekehrt" also vom Feinen zum Gröberen.

  1. Handlungseinheit (MRU; nach  Randy Ingermanson)
  2. Szene/ Sequenz
  3. Kapitel
  4. Abschnitt
  5. Roman

Mit der MRU möchte ich hier erstmal niemanden belasten.In der Serie wird es um die Szene (bzw. Sequenz, die sich im Grunde genauso aufbauen lässt) gehen. Mehrere MRUs geben eine Szene, mehrere Szenen ein Kapitel, mehrere Kapitel einen Abschnitt. Und schließlich mehrere Abschnitte einen Roman.
Dabei kann man theoretisch die Kapitel auch außen vor lassen. Ich habe sehr gute Romane ohne Kapitelgliederung gelesen. Aber das ist Geschmackssache. Der Leser wird eine Einteilung in Kapitel in aller Regel zu würdigen wissen, weil er dann sicher weiß, wo er eine Pause einlegen kann. Immerhin steht die Pause im Inhaltsverzeichnis ^^

Die Szene - Teil 1

Aloha

Ich beginne heute mit meiner Serie über das Plotten. Üblicherweise wird man in anderen Blogs folgenden Aufbau vorfinden: Vom Groben zum Feinen, wobei meiner Meinung nach die feinen Einheiten immer etwas zu kurz kommen. Deswegen, und weil es mir beim Schreiben mehr liegt, "jeden Mist" zu planen, mache ich das Ganze umgekehrt.

Also beginnen wir hier mit dem vermutlich wichtigsten Bestandteil einer jeden Geschichte (gleichgültig, mit welchem Medium sie erzählt wird): Der Szene.

Als ich zum ersten Mal davon gehört habe, einen Roman in Szenen zu gliedern hatte ich ein Definitionsproblem. Ich kannte den Begriff der Szene bereits aus Theater und Film. Hier ist der Begriff sehr klar definiert. Zur Szene im Film sagt Wikipedia Folgendes:

"Zum Beispiel sind Teile einer Filmhandlung am gleichen Drehort, die zu verschiedenen Zeiten spielen, auch verschiedene Szenen. Ebenso sind parallel ablaufende Handlungen an verschiedenen Orten in der Regel getrennte Szenen, außer sie wären durch Telefon, Video etc. miteinander verbunden. Auf Traumsequenzen etc. lässt sich eine konventionelle Szeneneinteilung oft nicht anwenden."

Im modernen Theater wechseln die Szenen in der Regel mit den Auftritten/ Abgängen der Figuren. Diese Definitionen sind deutlich und leicht verständlich. Insbesondere, wenn man das Dreh- oder Szenenbuch vor sich liegen hat. Viele Artikel über Szenen in einem Roman, die ich gelesen habe, beschreiben diese analog zu einer Filmszene. Lustigerweise wird sehr häufig auf denselben Websites behauptet, dass man es tunlichst vermeiden soll, ein Buch wie einen Film aufzuziehen.

Um eine Antwort auf meine Frage, was genau eigentlich eine Szene in einem Roman ausmacht (und damit auch: Wie ich sie aufbaue) zu finden, habe ich dann versucht, Bücher daraufhin zu analysieren. Ein recht schwieriges Unterfangen. Manchmal enden Szenen in einer Leerzeile. Leider nicht immer.
Ein zentraler Punkt des Szenenwechsels in einem Roman ist der Wechsel der Perspektive. Leider lässt sich dieses Mittel auch nicht immer zuverlässig heranziehen. Entweder es wird nur in einer Perspektive erzählt oder die Perspektiven ändern sich nur kapitelweise. Mitunter kann ein Szenenwechsel auch als Stilfehler aufgefasst werden.
Wie man sieht, ist eine Antwort auf die Frage, was genau eine Szene in einem Roman ausmacht und woran ich sie erkennen kann, schwer zu geben. Ich habe für mich eine Liste aus Punkten angelegt, die eine Szene kennzeichnen KÖNNEN. Wichtig dabei ist, dass nicht immer alle Punkte auftreten und auch nicht alle Punkte obligatorisch sind.

  • Gleichbleibende Sichtweise (obligat.)
  • Sinnzusammenhang (obligat.)
  • Gleichbleibende Charaktere
  • Gleichbleibender Ort
  • Gleichbleibende Zeit
Die drei letzten Punkte können, müssen aber nicht eine Szene charakterisieren. In Romanen gibt es häufig Szenen, bei denen die Teilnehmer wechseln, reisen oder warten. Dabei können auch Zeit- oder Ortssprünge noch Teil der Szene sein. Hier zeigen sich häufiger Leerzeilen oder Kapitelenden, wenn eine Szene beendet wird.
Problemeatisch wird es auch dadurch, dass es neben Szenen noch Sequenzen gibt, die prinzipiell ähnlich aufgebaut sind und den gleichen Zweck erfüllen, jedoch anders gekennzeichnet sind. Insgesamt sollte man beachten, dass der Begriff der Szene in modernen Romanen stark vom Begriff der Szene im Film geprägt ist (die meisten Schreibratgeber sind und waren für Drehbuchautoren!).

Im nächsten Teil der Serie möchte ich dann aufzeigen, nach welchem Vorgehen ich persönlich meine Szenen aufbaue. Als Szene bezeichne ich im weiteren Verlauf jegliche Art von Sinneinheit unterhalb des Zusammenhangs eines Kapitels (und oberhalb der Ebene der MRUs, auf die ich später kommen werde).

Montag, 9. März 2015

Das Konzept von Schreib-Welten

Aloha

Endlich, nach nochmals sehr, sehr langem warten, habe ich ein Konzept für mein Blog gefunden. Auf manche Leute wird es vermutlich etwas wirr und willkürlich wirken, aber ich möchte einfach gerne alles behandeln, was irgendwie "Story" in sich trägt. Darunter fallen für mich Berichte über meine persönliche Leidenschaft, den ESC genauso wie Rezensionen zu Videospielen, Filmen und Büchern. Ich werde allerdings kein Reziblog machen.
Das Hauptaugenmerk von Schreib-Welten soll und wird auf meinen Erfahrungen beim und mit dem schriftstellerischen Leben handeln. Sicher, darüber gibt es auch schon unzählige Blogs, ich hoffe, mich durch meine Quellen etwas abheben zu können. Zunächst plane ich zwei Serien zu den beiden wichtigsten Ponkten eines Romans (oder auch einer längeren Geschichte): Eine Serie zum Plot und eine zum Charakterbau. Beim Plotten möchte ich mich besonders auf die Szene konzentriern, gerade zum gezielten Plotten einer Szene im deutschsprachigen Raum kaum Literatur gibt.

Viele Grüße euch allen

Rhada